Das Bundesverteidigungsministerium verliert ganz zufällig durch einen technischen Defekt ihres “Datensicherungsroboters” massenweise Informationen zu ihren Auslandsoperationen in den Jahren 1999 bis 2003. Welch ein Glück für all diejenigen, die sich noch wegen der Foltervorwürfe des Deutsch-Türken Murat Kurnaz in Afghanistan zu verantworten haben. Was für ein Zufall, dass auch die Daten zu CIA-Geheimgefängnissen und das Ausmaß der deutschen Beteiligung bei Verhören auf dem betroffenen Band gesichert waren.
Liest man die Begründung des Ministeriums zum Verlust der sensiblen Geheimdienstdaten wähnt man sich in einem schlechten Film. Jedes Computerkid sichert seine “geraubten” MP3-Dateien und Filme wohl gründlicher als das Zentrum für Nachrichtenwesen der Bundeswehr in Bonn.
Der Datensicherungsroboter erlitt nach der Archivierung einen technischen Defekt. Der Versuch, diese Kassetten in einem Ersatzgerät auszulesen und somit die Daten wieder zugänglich zu machen, scheiterte.
Und weil man natürlich keine Lust hatte, ein Spezialunternehmen zur Rettung der Daten zu beauftragen, hat man sich des Problems entledigt und das betreffende Band passend zum amerikanischen Unabhängigkeitstag, am 4. Juli 2005, zerstört.
Das ist natürlich die Vorgehensweise, die auch jeder Normalbürger angehen würde, könnte er die Daten seiner aktuellen Steuererklärung wegen eines Kratzers auf der CD nicht mehr aufrufen. Ab in den Müll mit den lästigen Zeug. Wozu es mit einer Datenrettungssoftware probieren? “Ist halt kaputt. Sorry Finanzamt. Vielleicht nächstes Jahr wieder. Meine Katze liegt so gerne auf dem Schreibtisch und hat wohl die CD zerkratzt. Dient jetzt als Wandschmuck”
Man beginnt sich zu fragen, wer den Blödsinn eigentlich schlucken soll. Ist die Bundeswehr etwa wirklich unfähig, Datensicherungen so anzulegen, dass man im Falle eines Defektes keinen Ersatz parat hat? Hat hier jemand am notwendigen Etat gespart, ganz nach dem Motto “hier geht schon nichts kaputt?”
Vielleicht hätte man sich auch einfach mal die Tipps des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) anschauen sollen. Vor allem der Abschnitt B 1.4 Datensicherungskonzept unter dem Kapitel “IT-Grundschutz” wäre hier sehr hilfreich gewesen: Wie lege ich vernünftige Sicherungskopien an? Oberstes Gebot: Immer redundant, soll heißen: DOPPELT!
Durch technisches Versagen, versehentliches Löschen oder durch Manipulation können gespeicherte Daten unbrauchbar werden bzw. verloren gehen. Eine Datensicherung soll gewährleisten, dass durch einen redundanten Datenbestand der IT-Betrieb kurzfristig wiederaufgenommen werden kann, wenn Teile des operativen Datenbestandes verloren gehen. Quelle: BSI
Die Erklärung zum Datenverlust stinkt zum Himmel wie eine Stück vergessener Harzer Käse auf dem Frühstückstisch nach einem heißen Sommertag im Dachgeschoß eines schlecht isolierten Altbaus.
Surtipps:
Schwere Panne im Bundesverteidigungsministerium
SWR Report Mainz
Zweifel an Darstellung des Bundesverteidigungsministeriums zum Datenverlust
Computerwoche


und so geschickt. Der Roboter war es schuld :D
Die Bundeswehr ist der größte Bürokratieverein Deutschlands, jedes Fitzelchen was da passiert und ein jedes Protokoll wird nicht einfach Digital abgelegt und das wars sonderns in mehrfacher Ausfertigung in irgendwelchen Kellern auf Papier abgelegt. Zumal die verschwundenen Daten ja auch schon älter und somit aus einer Zeit sind als die BW Computer noch mit Argwohn betrachtet hat.
Das die Daten wirklich komplett Futsch sind können die mal sonstwen erzählen…
Nicht nur in Altbauten wird es unter dem Dach – im Sommer – verdammt warm… :P