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26. Juli 2007

Amtsgericht zweifelt an Millionenschäden durch “Raubkopierer” – “Grüne Welle” im heise.de-Forum

Im “Kampf” gegen “Raubkopierer” hat die Musikindustrie es schon seit längerem an Gespür für Verhältnismäßigkeit mangeln lassen. So überzieht sie landauf landab auch Kinder und Jugendliche mit Strafverfahren, wenn sich diese beim Tauschen von Musik im Internet erwischen lassen. Dabei geht es längst nicht mehr darum, professionellen und kommerziellen Kopierern das Leben schwer zu machen, nein es gilt ein Exempel zu statuieren. Niemand darf sich mehr sicher fühlen, wenn er ein Musikstück aus einer Tauschbörse gratis herunter lädt. Das Amtsgericht Offenburg hat die dortige Staatsanwaltschaft nun zurückgepfiffen und die Ermittlung der Nutzerdaten anhand von IP-Adressen untersagt. Dabei hat erstmals ein Gericht die umstrittene Logik der Musikindustrie zur Schadensermittlung angezweifelt und die Strafanzeigen als strafrechtlich nicht relevant abgelehnt.

Wenn die Musikindustrie über die Schäden klagt, die ihr beim illegalen Musikdownload entstehen, so errechnete sie dies immer mit einer recht zweifelhaften Methode, und die geht so:

Jeder Song, der illegal herunter geladen wird, wird nicht gekauft. Ergo: Wenn all die Internetuser die Millionen von Songs die im Jahr illegal herunter geladen werden, nicht gratis bekämen, würden sie die Läden stürmen und Geld dafür ausgeben. Und genau das Geld fehlt der Musikindustrie jetzt. Das ist der Schaden, der ihr angeblich durch “nicht kaufen” durch die Lappen geht.

Was sie dabei unter den Tisch kehrt: Nur weil ein Anwender einen Song den er Gratis im Netz findet, herunter lädt, bedeutet das nicht im Umkehrschluss, dass er für diesen auch Geld ausgegeben hätte, gäbe es ihn nicht gratis im Netz.

Wer kennt das nicht: Man kann mittels Tauschbörsen auf einen Pool von Songs und Alben zurückgreifen. In wenigen Minuten sind diese Songs auf den eigenen Rechner. Man hört vielleicht einmal rein und merkt dann: Gut, dass ich mir den Schund nicht gekauft habe.

Immer größere Festplattenreserven, schnellere Internetzugänge und automatisiertere Downloadmechanismen führen weiter dazu, dass der User zum Jäger und Sammler wird. Alles horten was die Festplatte hergibt. Gebraucht wird das Zeugs dabei fast nie.

Und genau das hat das Amtsgericht in Offenburg erkannt:

“Beim Preise 0 fragt auch derjenige ein Produkt nach, für das er sonst nicht mal einen Cent ausgeben würde.” Indem die Musikindustrie den Strafverfolgungsbehörden mehrere 10.000 Strafanzeigen beschert, strebe sie Auskünfte an, die ihr “der Gesetzgeber bewusst versagt hat”.

Sollte es doch noch ein Licht am Ende des langen dunklen Tunnels geben? Ein erstes Gericht scheint erkannt zu haben, welch Farce hinter der “Raubkopierer-Kampagne” der Unterhaltungsindustrie steckt.

Weitere Details gibt es jetzt bei heise.de nachzulesen. Dort hat die Nachricht für dermaßen viel Europhorie gesorgt, dass die Nutzer sich gegenseitig all Ihre Beiträge mit “++”, also “sehr gut”, bewerteten und damit eine grüne Forenwelle auslösten.

Gruene Welle im Heise Forum

So sieht es aus, wenn sich frohe Kunde im Internet verbreitet. Quelle: Heise-Forum

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