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10. Oktober 2007

Mediales Schmierentheater um Hermans “Rauswurf” bei Johannes B. Kerner

Johannes B. Kerner schmeißt Eva Herman während der Sendung aus seiner Talkshow? Herman wollte sich nicht von den Nazis distanzieren? Liest man heute die Onlinegazetten, allen voran die Süddeutsche Zeitung, so bekommt man den Eindruck, die Frau habe es verdient, vor laufender Kamera mal so richtig vorgeführt zu werden. Wie kann man nur die Familienpolitik der Nazis gutheißen. Aber wer die Sendung gesehen hat, kommt zwangsläufig zu einem viel nüchternen Ergebnis. Von wegen “TV-Eklat”. 52 Minuten lang versuchten Johannes B. Kerner und seine Gäste, teilweise auch zum Unverständnis einiger Studiogäste, von Herman einen Kniefall aufgrund ihrer Äußerungen zu erpressen.

Doch Herman wollte sich nicht Mißverstanden wissen, versuchte weiterhin ihren Standpunkt klar zu machen. Gewiß, sie hat ein konservatives Familienbild. Da kann man durchaus anderer Ansicht sein. Aber hat sie so unrecht, wenn sie sagt, dass Werteverfall und der Drang nach egozentrischer Selbstverwirklichung eine kinderfeindliche Gesellschaft heranwachsen haben lassen? So sprach sie davon, dass dies noch VOR dem dritten Reich ganz anders gewesen sei. Erst die Pervertierung des Familienbildes in der Zeit der Nationalsozialisten, der Mißbrauch des Familienbildes für die Ziele der Nazis waren der Beginn des Unterganges traditioneller Familienwerte. Und nach Eva Hermanns Meinung haben es die 68er danach ebenfalls an solchen Werten missen lassen. Denn dann wollte man ihrer Meinung nach erst recht die klassische Familie nicht mehr.

Hier mag man sich streiten. Hier mag es durchaus gerechtfertigt sein, wenn Senta Berger in der Talkrunde interveniert und darauf verweist, dass sie im Gegensatz zu Hermann die 68er live miterlebt habe und man bei den 68ern gerade nicht von einer familienfeindlichen Bewegung sprechen könne. Gerade hier wurden doch so viele Kinder gezeugt. Doch da wurde auch schon das Dilemma der Sendung deutlich: Man sprach permanent aneinander vorbei.

Es geht nicht um die Menge der Kinder die geboren werden. Es geht um die Art der Erziehung, die Lebensweise der Familie. Es geht um das Bild der klassischen Familie. Frau Herman mag es halt wieder etwas konservativer. Papa, Mama, Kinder. Papa geht arbeiten und schafft das Geld ran, und die Mutter kümmert sich um die Kinder zuhause.

Dazu müsse sie aber die Möglichkeit haben, gibt Herman zu bedenken. Gebe ich mein Kind in eine staatlich unterstützte Kinderkrippe, oder bekomme ich dieses Krippengeld als unterstützung um mein Kind auch selbst zuhause groß zu ziehen. Ja ist das denn so falsch? Das ist eben die Meinung von Frau Herman und die darf man in diesem Land angeblich immer noch frei vertreten.

Aber um die Sache ging es in der Sendung nicht. Man wollte Hermans Entschuldigung erzwingen. Immer und immer wieder kam der Moderator auf den angeblichen “Nazivergleich” zurück. Immer wieder wollte er von Frau Herman hören, ob sie sich von einer solchen Aussage nicht distanzieren wolle. Immer wieder versuchte Herman klar zu machen, dass sie ihre Äußerungen so nicht mißverstanden wissen wolle. Aber man wollte sie mißverstehen.

Die letzte Frage an Herman war wie die Erste: Ob sie eine solche Äußerung heute so wiederholen würde. Und Herman gab zu, dass es sicherlich heute in Deutschland nicht klug ist, unsere Geschichte, vor allem die des dritten Reiches, heranzuziehen. Denn allzuschnell werde man in eine Ecke geschoben, in die man nich gehöre. Das dem so ist, konnte man in der Sendung live mitverfolgen. Jedes ihrer Äußerungen wurde seziert. Wehe sie nahm ein Wort in den Mund, dass auch von Nazis verwendet worden ist. Bei dem Begriff “Gleichschaltung der Medien” war es dann wieder soweit. Noch so ein angeblicher Nazibegriff.

Irgendwann war Herman von den endlos herangezogenen Vergleichen so genervt, dass die Sache mit den Autobahnen aus ihr herausplatzte. Auf denen dürfe man dann konsequenterweise auch nicht mehr weiterfahren.

Was für eine Steilvorlage für den Rest des Talk-Show-Tribunals: “Autobahnen geht gar nicht”, so Kerner. Jehova Jehova! Steinigt sie, sie hat Jehova gesagt!

Schreinemakers spielt ‘nen Tobsuchtsanfall und Senta Berger droht, die Sendung zu verlassen. Und erst dann, nachdem Kerner zuvor schon das Ende des Gesprächs angekündigt hatte, komplimentierte er Hermann freundlich aus der Sendung. Peinlich! Ein Schmierentheater.

Wir Deutschen brauchen eine viel größere Gelassenheit. Denn überzogene politicial correctness schadet uns nur und spielt denen in die Hände, die wir zu bekämpfen vorgeben. Zu oft wird die Moralkeule mittlerweile dazu genutzt, Menschen zu diskreditieren, die einem aus irgenden welchen anderen Gründen mißliebig geworden sind. Zu schnell stolpert dieser dann über die ein oder andere Äußerung, die aus dem Zusammenhang gerissen, schnell gegen einen verwendet wird.

Wer von sich glaubt, wirklich so absolut political correct sein zu müssen, der nehme doch in Zukunft bitteschön wirklich wieder die Landstraße. Himmel ist das lächerlich.

2 Kommentare zu Mediales Schmierentheater um Hermans “Rauswurf” bei Johannes B. Kerner

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