Ich kann es nicht mehr hören. Kaum ist der Mindestlohn für Briefzusteller zwischen 8 und 9,80 Euro pro Stunde festgelegt, da heulen einzelne Post-Konkurrenten laut auf und drohen mit Rückzug oder Entlassungen. Die PIN Group will jetzt sogar ernst machen und 1000 Angestellte auf die Straße setzen.
Für die Angestellten tut es mir leid, aber ein Unternehmen, dessen Geschäftsmodell auf Zahlung von Dumpinglöhnen basiert bei dem die Beschäftigten weiterhin auf staatliche Zuschüsse angewiesen sind, ist nicht nur unmoralisch, es ist schlichtweg Ausbeutung auf Kosten der Steuerzahler. Staatlich subventionierte Geschäftemacherei.
Die Arbeitslosenstatistik mag danach zwar besser aussehen, die Angestellten und der Steuerzahler bleiben dabei auf der Strecke. Wer nicht in der Lage ist, ein Geschäftsmodell zu entwerfen das gute Arbeit auch gut entlohnt, sollte die Finger davon lassen.
Und der baden-württembergische Ministerpräsident Öttinger findet es sogar ok, wenn ein Unternehmen drei Euro pro Stunde für eine Arbeitskraft zahlt, und der Staat den Rest dazu packt. Ob das nicht von Unternehmen ausgenutzt würde, fragte ihn die Süddeutsche Zeitung kürzlich: Öttiger aber vertraut da ganz auf “die Regeln des Marktes”.
Wie schön sich der Markt regelt sehen wir ja seit Jahren an den Energiepreisen. Der “Markt” ist nicht sozial. Der Markt will maximalen Profit bei minimalen Kosten. Dann sei es so, aber als Steuerzahler sehe ich es nicht ein, solche Unternehmen auch noch mit einer Lohnbeigabe für ausgebeutete Angestellte zu unterstützen.
Und was die PIN-Group angeht: Die haben vergangenes Jahr ohnehin ein millionenschweres Verlustgeschäft eingefahren. Der Mindestlohn kommt bei dem nun geplanten Massenrausschmiss als Argumentationshilfe wohl einfach nur gut zu pass. Wer weiss, ob man diese nicht auch ohne Mindestlohn in Kürze vor die Tür gesetzt hätte.
Last but not least leidet auch der Service bei unmotivierten und unterbezahlten Angestellten. Wer will schon einen unfreundlichen Lieferanten oder verbeulte oder gänzlich verlorengegangene Pakete? Leider ist das symptomatisch bei unterbezahlten Dienstleistungsjobs. Aber von einem Angestellen der für einen Scheisslohn in einem Scheissarbeitsklima schuftet, kann ich auch nur einen Scheissservice erwarten. Und wenn ich als Kunde auch noch fragen habe, lande ich garantiert für 1,50 Euro pro Minute unter 0 900 in der Hotline Hölle. “Güddn öbend, wie könn isch ihnen hölfän?”
Update:
Mittlerweile bezweifelt auch DER SPIEGEL, dass der Mindestlohn der Hauptgrund für den PIN-Rückzieher sei: Springers Notausstieg aus dem Briefgeschäft.


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