Unterirdisches Niveau

Klima & HolocaustEs gibt ein einfaches Rezept, Personen oder Personengruppen in diesem Land zu diskreditieren: Man ziehe einen möglichst negativen Vergleich zum Dritten Reich. Funktioniert eigentlich immer, ist nur ziemlich billig. Aber auf genau dieses unterirdische Niveau begibt sich nun der Chefredakteur der deutschen Ausgabe des National Geographic Magazine, Klaus Liedtke, in der Februar-Ausgabe mit einem hanebüchenen und durchaus perfiden Konstrukt: In seinem Editorial lobt er zwar die für jede Wissenschaft wichtigen Skeptiker, stellt jedoch in Frage, ob man dieses Verständnis auch Holocaust-Leugnern, Evolutionsgegnern und -jetzt kommts- Klimaskeptikern zugestehen darf. Bumm, das hat gesessen. Holocaust-Leugner und Klimaskeptiker in einem Boot. Erstere wandern hierzulande -zu Recht- in den Knast. Was will uns der Autor damit sagen? Sind „Klimaskeptiker“ nach Liedtkes Auffassung auch kriminell? Eine krude Mischung, dabei stimmt nichtmal der Begriff, den Liedtke verwendet. Gegen das Klima selbst und seiner stetigen Veränderung in Jahrmillionen Erdgeschichte dürfte wohl niemand ernsthaft Skepsis hegen. Was aber in der Wissenschaft entgegen anderslautender Behauptungen längst nicht Konsens ist: Sind die vorliegenden Messreihen ausreichend, den Einfluss des Menschen auf das Klima und die tatsächlichen Auswirkungen hinreichen zu belegen oder für die Zukunft zu errechnen? Die Marschrichtung für Liedtke scheint klar: Wer es wagt, Einspruch zu erheben, steht auf einer Stufe mit Antisemiten und Kreationisten. Es ist schon verwunderlich, dass ein erfahrener Chefredakteur eines angesehenen Magazins sich zu solch dümmlichen Vergleichen herablässt. Ein Armutszeugnis, wenn man die sachliche Diskussion auf dieser Ebene verläßt. Ich hoffe dieser Stil ist nicht richtungweisend, denn sonst hat sich für mich die Frage erübrigt, statt zur US-Originalausgabe, die ich seit über zehn Jahren regelmäßig lese, auch mal zur deutschen Variante des NGM zu greifen.

Auszug aus Editorial NGM Februar 2009

Quelle: National Geographic Deutschland, Februar 2009, S.3

Update: Am 13. März erhalte ich Kenntnis von einer Strafanzeige eines Juristen gegen Klaus Liedke, gestellt an die Generalstaatsanwaltschaft Hamburg wegen „Beleidigung, wahlweise Feststellung übler Nachrede und Verleumdung rechtlich zusammenfallend mit Volksverhetzung.“  In der fünfseitigen Strafanzeige heißt es unter anderem: „Ich meine, dass er durch diesen Artikel in geeigneter Weise den öffentlichen Frieden zu stören, die Menschenwürde der Betroffenen der Personenmehrheit dadurch angegriffen hat, in dem er (i.S.d. § 130 Abs. 1 Nr. 2 StGB) sie mit den Holocaustleugnern in verwerflicher Weise gleichsetzend beschimpft hat und darüber hinaus böswillig verächtlich gemacht und verleumdet hat.“

2 Comments

  1. „Es ist schon verwunderlich, dass ein erfahrener Chefredakteur eines angesehenen Magazins sich zu solch dümmlichen Vergleichen herabläßt.“
    Eigendlich nicht, denn:
    – die Befürworter der Klimakatastrophentheorie sind in der Defensive. Man muß nur Kommentare zu Artikeln im Internet durchlesen und sich erinnern, wie diese noch vor zwei Jahren aussahen. Heute sind die Hälfte (sehr grob geschätzt) klimaskeptisch.
    – verwunderlich ist auch nicht, daß kein Wort über die Physik des Klimas in dem gezeigten Ausschnitt zu sehen ist.
    Diese Dinge zu diskutieren wird krampfhaft vermieden.
    – Zur Beurteilung der Klimamodelle gehört ein ziemlich großes Computerwissen – niemand gibt zu, daß er dieses nicht hat – auch Klaus Liedke nicht (ich habe dieses allerdings schon).
    – Ich kann mir nicht vorstellen, daß Herr Liedke dieses aus eigenem Antrieb geschrieben hat, auf das „unterirdische Niveau“ läßt sich niemand freiwillig herab – er hat einen Befehl gekriegt – von wem auch immer.
    – wenn wir schon dabei sind: was meinen Sie, lieber Leser, wie „tausendfach dokumentiert“ die Existenz einer „Nordischen Rasse“ war, nur sie wird dadurch nicht wahrer.

  2. Die Parallelen von Klimapolitik und Nationalsozialismus gibt es, nur anders als es sich Klaus Lidke denkt.
    „Sind wir noch zu retten? Oder brauchen wir einen grünen Adolf, einen Ökodiktator zur Lösung der immer bedrängender werdenden Umweltprobleme?“
    Dieses können Sie nachlesen in „Der Klimareport“, Dagny und Imre Kerner,Kiepenheuer und Witsch.
    Der große Geist, der diese Zeilen als Vorwort für das Buch schrieb, ist kein geringerer als der stets kritische Franz Alt. (Dieser ist tatsächlich nicht mehr zu retten).
    Das Unwort Ökodiktatur hatte damals 1990 eine „Konjunktur“,
    es gab sogar eine Fernsehsendung im WDR mit dem Titel: „in Zukunft: Ökodiktatur“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Solve : *
20 − 20 =