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29. Oktober 2009

Hirndoping für einen “Trendforscher”

Sehr geehrter Herr Urbansky,
Sehr geehrter Herr Jánszky,

bislang habe ich es ja toleriert, dass ich von Ihnen seit einiger Zeit ungefragt und unaufgefordert Pressemitteilungen im Namen der Forward2Business Büro GmbH oder des “Forward2Business ThinkTanks” bekomme. Heute muss ich Ihnen jedoch sagen, dass ich die Art und Weise, wie aktuell für Ihr Buch “2020 – So leben wir in der Zukunft” geworben wird, für höchst unseriös halte. Aufgefallen ist mir dies erst durch zwei identische E-Mails heute (12:47 Uhr und 14:41 Uhr) an mich von  „Jenny Seedorf“, der fiktiven Person aus dem Buch von Herrn Jánszky.

E-Mail von Jenny

Ich habe diese Mail zunächst für gewöhnlichen Spam gehalten (ist es ja auch), aber das Wort „Hirndoping“ ließ mich aufhorchen. Denn erst vor kurzem erhielt ich unter ihrem richtigen Absender folgende Pressemitteilung:

Pressemitteilung "Hirndoping"

Und siehe da, die Auswertung des Mailheaders von “Jenny” brachte Gewissheit:

Return-Path:
X-Original-To: email@dennis-knake.de
X-policyd-weight: NOT_IN_SBL_XBL_SPAMHAUS=-1.5 NOT_IN_SPAMCOP=-1.5 NOT_IN_BL_NJABL=-1.5 DSBL_ORG=SKIP(0) CL_IP_EQ_FROM_IP=-2 (check from: .jennyseedorf. – helo: .remote.mdkk. – helo-domain: .mdkk.) FROM/MX_MATCHES_HELO(DOMAIN)=-2; rate: -8.5
Received: from remote.mdkk.de (mail.forward2business-trendanalyse.de [85.232.7.181])

Einmal darauf aufmerksam geworden, bemerkte ich, dass Sie auch im Internet als „Jenny Seedorf“ getarnt ihr Buch bewerben. U.a. im Blog “Indiskretion Ehrensache” von Handelsblatt Redakteur Thomas Knüwer. Dort findet sich unter dem Artikel von 22.10.2009 „Schlechte Zeiten für Social Media Hasser“ der Eintrag:

Jenny kommentiert im Handelsblatt

Aber es geht noch weiter: Auch im “Ökonomen Blog” der INSM-Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft GmbH aus Köln, kommentiert die erst 10-jährige Jenny Stoff, den man in ihrem zarten Alter gar nicht erwarten mag. Natürlich darf der Hinweis auf das Buch nicht fehlen.

Jenny kommentiert und wirbt...

Und auch auf „Twitter“ scheint „Jenny Seedorf“ schon aktiv zu sein. Denn auch hier fragt sie nach Hilfe fürs Hitwort “Hirndoping”.

Jenny twittert...

Und, oh Wunder, der erste Follower ist Buchautor Sven Jánszky “consultant, futurecoach, Leader of Germany’s most innovative future thinktank ‘forward2business’”.

... und Jánszky followed

Natürlich ist es auch leicht, den Besitzer der Domain www.jennyseedorf.de ausfindig zu machen. Es ist, wie zu erwarten, die MDKK Mitteldeutsche Kommunikations- und Kongressgesellschaft mbH & Co. KG, die auch für www.forward2business-trendanalyse.de verantwortlich zeichnet. (Auf beiden ist aber keine Webseite hinterlegt?)

Aber ganz ehrlich, ein Unternehmen, dass auf seiner Hompage unter www.mdkk.de mit seriöser Pressearbeit für namhafte Kunden wirbt…

Der forward2business-ManagerThinkTank wird ganzjährig mit journalistischen Storylettern unter Führungskräften positioniert. Medienpartner sind u.a. spiegel-online, brand eins, MDR, ZDF infokanal, Werben&Verkaufen, Manager Magazin, Musikwoche, Cinema, Gamesmarkt & Textilwirtschaft.

…hat es wirklich nötig, die Netzgemeinde und auch Journalisten, die Sie ja adressieren, mit gefälschten Identitäten hinters Licht zu führen und obendrein auch noch mehrfach mit Spam-Mails wie der von „Jenny Seedorf“ zu beglücken?

Ich kann ja verstehen, dass Sie dieses Buch mit allen möglichen Mitteln der neuen Medien bewerben möchten und dafür auch die Wege des, wie es so schön heißt, „Web 2.0“ und der „Social Networks“ beschreiten, aber falsche Identitäten und E-Mails á la „Jenny Seedorf“ kommen bei mir, und ich bin mir sicher auch bei einem Großteil anderer Journalisten, gar nicht gut an.

Ob dies auch die Unternehmen so toll finden, die auf ihren Pressemitteilungen als Unterstützer des “ThinkTanks” genannt werden, immerhin so große Namen wie “BMW”, “New Yorker”, “Die BAHN”, “Sennheiser” und “TNS Infratest”, wage ich zu bezweifeln.

Andere nennen es vielleicht „virales Marketing“, ich nenne es Missbrauch der Möglichkeiten von Web 2.0 und Social-Networks. Sehen Sie dies von mir als gut gemeinten Hinweis an jemanden, der sich Trendforscher nennt.

Mit freundlichen Grüßen

Dennis Knake

(Als “Offenener Brief” heute an die angesprochenen Personen sowie Herrn Knüwer und das INSM in Kopie per Mail verschickt)

Update:

Um Missverständnissen vorzubeugen. Wer z.B. die Seite “www.jennyseedorf” besucht, erhält eine Grafik “Willkommen IIS7 – internet information services”. Mit Klick darauf landet man auf einer offiziellen Microsoft-Seite. Dies hat aber eher was mit der nicht konfigurierten IIS7 Webserver-Applikation auf der Domain zu tun, als mit Microsoft selbst! Sprich: Auf der Domain ist eben nichts hinterlegt.

11 Kommentare zu Hirndoping für einen “Trendforscher”

  • Billiger Spam-Scam wie er schon seit “Jahrzehnten” praktiziert wird.

    Gerade neulich wurde mir wieder eine Beteiligung an einer Diamantenmine in Taka Tuka Land angeboten… habe abgelehnt, werde demnächst König des Nachbarlandes – deren Email erreichte mich frühzeitiger.

    Leute die sowas machen sind schlicht arme Lichter, die sich ein wenig an den Leichtgläubigen unter uns bereichern wollen. Sowas geht glücklicherweise ja nie lange gut, bis eine Staatsanwaltschaft aufmerksam auf diese Leute wird, jene sich nach Mallorca (o.ä.) absetzen und mit ihren paar – auf niedere Weise ergaunerten – Euros für ein paar Monate einen auf dicke Hose machen können, bevor sie dann (wieder) zum Sozialfall werden.

  • Innovationsexperte aus Berlin

    Ich kann diese Ausführungen nur voll unterstützen. Ich habe ebensolche Emails erhalten und mit Verlaub ist meine Zeit zu kostbar um mich mit derartiger “Werbung” auseinander zu setzen.

    Ich lasse mich bei think forward auslisten. So geht das nicht.

    aus berlin …

  • JP Labus

    danke, exzellent aufbreitet.

  • meyer

    Danke für Ihre Recherche. Äußerst unseriös.
    Ich habe mich soeben aus dem Verteiler austragen lassen und die Info an einige Bekannte weitergeleitet.

    mfg, meyer

  • ThePlace

    Die Konferenz in Halle war exzellent, der Nachhall in Form von unzähligen Spam Mails und jetzt dieser Aktion war ernüchternd. Keine gute Publicity-Arbeit, Herr Janszky!

  • MStolz

    Da dieser Reklamemann vermutlich keine Kinder hat, hat er auch keinen blassen Schimmer, wovon er spricht – eines Tages platzt auch diese Blase…

  • Der schiesst doch – aufgrund der Pillen die er eingeworfen hat – eh nur mit Platzpatronen :).

  • Jenny Seedorfer

    Danke für das Hirndoping ;)

    JS

  • Deine geistigen Möglichkeiten entsprechen tatsächlich denen eines zehnjährigen Kindes, “Jenny” – Glückwunsch!

  • Gunnar

    Man ist das peinlich hier noch so einen Kommentar reinzuschreiben. Lohnt sich aber eher nicht, auf den vermeintlichen Inhalt noch weitere Gedanken zu verschwenden. Auch einige Suchanfragen haben haben nicht viel aber – anscheinend – wirkunglosen PR-Müll von dem Herrn zutage gebracht.

  • Juri M

    Das Ärgerlichste ist, dass ich hier besonders perfides Pharmalobbying vermutet habe, mit einer kleinen Recherche regaierte und dank dieses Beitrags nun feststellen muss, dass es sich “nur” um einen verzweifelten Versuch handelt, mit diesem Quatsch im Gespräch zu bleiben. Hätt ich’s mal gleich gelöscht …

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