Darth Vader war souveräner

Darth Vader in cool

Die Tageszeitung „taz“, ich kenne sie noch als das kleine linke Blatt, dass niemals Mainstream sein wollte, die Rubrik „Sport“ lieber „Körperertüchtigung“ und „TV und Fernsehen“ lieber „Flimmern und Rauschen“ nannte. Gefühlt war die taz ständig vor dem Bankrott und warb daher immer rührend um neue Abonnenten. Sie hat stets überlebt und ist heute aus der deutschen Zeitungsszene nicht mehr wegzudenken. Die „taz“ polarisiert. So sehr sogar, dass ihr ein berüchtigter Abmahnanwalt aus München einmal die Domain taz.de streitig machen wollte. Das hatte mich seinerzeit zu einem Kommentar in diesem Blog veranlasst, der mir dann wiederum ein Treffen mit eben diesem Abmahnanwalt vor dem Münchener Amtsgericht bescherte – aber das ist eine andere Geschichte. Jetzt fällt eine taz-Redakteurin selbst als unangenehme Abmahnerin auf.

Abmahnen, das ist so eine Sache. Wenn es sich um offensichtliche Rechtsverstöße handelt, ein durchaus legitimes  Mittel. Ob man aber nun wirklich im Recht ist, ist zunächst einmal ein recht subjektiver Eindruck. Daher gebietet es der gesunde Menschenverstand, es doch zunächst einmal mit persönlicher Kontaktaufnahme zu probieren. Darauf haben aber nicht viele Leute Lust. Ein Grund könnte sein, dass sich mit Abmahnungen gutes Geld verdienen lässt. Und wer lässt sich heute schon gerne ein paar hundert Euro durch die Lappen gehen?

Dieses monetäre Geschmäckle erweckt jetzt auch Eva Schweitzer, Redakteurin der Tagszeitung „taz“. Weil ein Blogger vor anderthalb Jahren etwas großzügig aus einem ihrer Artikel aus der ZEIT zitierte, ließ die streitbare Journalistin, die sich zu früheren Zeiten in der linken Hausbesetzerbewegung engagierte „bis sie eine Allergie gegen Tränengas entwickelte„, über ihren Anwalt eine Abmahnung mit einer saftigen Forderung im vierstelligen Bereich zukommen. Das alles geschah im Rahmen einer, wie sie es selbst nennt, „Schleppnetzfahndung“ um illegale Kopierer ihrer Artikel ausfindig zu machen.

Ob recht oder unrecht, darüber mag ich nicht urteilen. Der Blogger, Philipp sein Name, hat in der Tat recht großzügig zitiert, dem Eigenanteil von rund 227 Zeichen steht ein Zitat von 1.683 Zeichen gegenüber. Aber brav mit Link auf den Originalartikel. Also eigentlich gute Werbung für DIE ZEIT und Frau Schweitzer. Das aber ficht Frau Schweitzer nicht an. DIE ZEIT war nicht im Besitz alleiniger Nutzungsrechte. Sie persönlich habe da nichts von, schreibt sie in ihrer Darstellung des Falls unter der doch recht seltsam anmutenden Headline „The Empire Strikes Back„. Welches Empire? Das Empire der Frau Schweitzer? Auweia.

Online-Scharmützel

Mittlerweile offenbart ein regelrechtes Online-Scharmützel „Printjournalistin“ gegen „Blogosphäre“ die Geisteshaltung der Redakteurin. Streitlustig wie sie ist, bloggt sie weiter in der taz zu dem Fall und liefert sich eine Kommentarschlacht mit der Flut teils wütender Leser-Reaktionen.

Doch die Reaktion offenbart ein Menschenbild, wie es bei einigen (nein, nicht allen!) Printjournalisten wiederholt anzutreffen ist. Frust über das Internet und die bösen Blogger. Für Frau Schweitzer sind das nämlich offensichtlich „eine Horde wutschnaubender Möchtegernpiraten […], die ihre Nächte im Schlafanzug vom dem Computer verbringen.

Oberlehrerhaft klärt sie ihre Kommentatoren wiederholt über das Presserecht auf. Kopiert unermüdlich Links zum „Basiswissen Journalismus“. Und Spreeblick Blogger Johnny Haeusler, der sich des Themas als erster angenommen hatte, wird natürlich auch erinnert, dass es zur Sorgfaltspflicht eines jeden Journalisten gehöre, zunächst einmal denjenigen zu kontaktieren, über den man sich auslassen möchte.

Hätte sie das doch nur selbst beherzigt. Eine kleine Mail „Hör zu, was Du da in Deinem Blog zitierst, ist nicht mehr ok.“ Aber nein. Offensichtlich bat sie nur DIE ZEIT darum „dem jungen Mann mal ihre Mail zu schicken“ um das Problem zu lösen. Moment, sie hatte doch ein Problem mit ihm!? Jetzt mag man sagen „Ok, die Frau hat  nicht die Zeit, sich mit all den Bloggern persönlich auseinander zu setzen.“

Offensichtlich aber doch: Ihr eigenes taz-blog wird derzeit zum Zeugnis einer ziemlich dünnhäutig und arrogant wirkenden Journalistin aus vergangenen Papiertagen. Akribisch kommentiert sie die Kommentare zu ihren Beiträgen hier und hier und füttert mit diesem Verhalten eigentlich nur das Klischee „abgehobener Holzmedienschreiber“, die den Verlust ihres Monopols auf Meinungsäußerung durch Internet und Blogs als Majestätsbeleidigung ansehen. Gerne selbst austeilen, aber wenig einstecken können.

Auch eine weitere Auseinandersetzung mit Johnny Haeusler, in der auch großzügig die Einstellung der Abmahnung verkündet wird, macht eine gewisse Überheblichkeit deutlich. Es sei eben ein gewisser Aufwand, all die Kopierer ausfindig zu machen.„…damit muss man Profis beauftragen, und dann befindet man sich bei den Preisen sozusagen in der Erwachsenenwelt.“

Von Souveränität keine Spur. Selbst kleinliche Leserkommentare wie „Schreibt man email, e-Mail oder E-Mail? Richtig ist E-Mail.“ beantwortet sie trotzig mit „Ich lebe in New York. Hier heißt es email.“ Werte Frau Schweitzer, dem Duden und deutschen Zeitungsleser ist ihr Wohnort wohl ziemlich egal. Oder lesen wir Ihre Artikel demnächst nur noch auf englisch?

So erfahren wir neben ihrem offensichtlichen Faible für die Star-Wars Trilogie auch ungefragt, dass sie ein „kostbares Macbook“ besitzt, und dass sie auf Nachfrage eines anderen Lesers ihre Honorarbelege nur dann veröffentlichen würde, wenn dieser ihr als Ausgleich „ein Fotos von sich in Unterhosen und […] Gehaltsabrechnung“zuschickt.

„Selbstüberschätzung“, „peinlich“, „unsympathisch“. Auch bei Twitter findet sich bereits eine wahre Flut wütender und teils hämischer Kommentare.

Frau Schweitzer, bei allem Respekt, Darth Vader war souveräner…

Weitere Beiträge zu dem Thema:
Geschäftsmodell für Journalisten: Blogger abmahnen
netzpolitik.org

Warum mich Frau Dr. Eva Schweitzer sprach- und Fassungslos macht
F!XMBR

Eva Schweitzer: Jack Wolfskin des Journalismus
mediaclinique

Update:
Schön zusammengefasst und pointiert hat auch das Blog bruderbernhard.ch die ganze Story.

5 Comments

  1. Ich würde mal sagen, die Dame verschluckt sich grade an einem viel größeren Haken, als dem von dem sie den Raukopierer ähm Vielzitierer gnädigerweise gelassen hat.

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