Bakschisch, Kontodaten, Kloppe für Studenten und ein vermanschtes Gehirn in Augsburg

Zuviel Internet führ zur Gehirnschmelze...Die etwas andere Wochenrückblick

FAZ Herausgeber Frank Schirrmacher findet, die Informationsflut aus dem Netz „vermanscht“ unser Gehirn, zumindest kommt er nicht mehr mit. Also gut, dann hier wohlsortiert die Netzschau mit den Aufregern der Woche: Da ist zum Beispiel der Schmu mit den Maut-Verträgen: Die „Whistleblower“ von Wikileaks haben da wieder einen ganz dicken Fisch an der Angel und bis auf den Stern hat sich nur heise.de ans Eingemachte gewagt sowie das zum Verlag gehörende Fachmagazin c’t.  Schon lustig, dass die Verträge zum „Geldverschiebe-System“ nur einen Tag nach der Toll-Collect Pressemitteilung ans Licht kommen, in der man stolz von „sinkenden Betriebskosten“ spricht. Suche ich in der Onlineausgabe der FAZ nach „Maut“ oder „Toll-Collect“ finde ich bislang kein Sterbenswörtchen zu dem Thema. Ach richtig, Wikileaks, das sind ja die Schmuddelkinder, die auch die Sperrlisten der Kinderpornoanbieter veröffentlicht haben – pfuibah.

Kontodaten: Gib her oder es setzt was

Dann war da noch die Sache mit den Bankdaten, dem SWIFT-Abkommen und den USA. Was die Amis mit der CIA bislang illegal besorgt haben, würden sie nun gerne mit offiziellem EU-Segen erledigen: Nachschauen, was wir Europäer so mit unserem Geld anstellen. Klar, Kontobewegungen samt Ausweis-ID und was weiss ich was noch wird dabei alles nur im Rahmen der Terrorbekämpfung gesammelt. Na ein Glück, dass man mit meinen Daten nicht auch noch das Klima schützen kann.

Da aber ab dem 1. Dezember dank Lissabon-Vertrag das EU-Parlament ein Wörtchen mitzureden hat – und mit einer Einigung dann wohl essig wäre – versucht man das Thema noch ganz schnell vorher unter Dach und Fach zu bringen. Und da fallen der EU-Kommission schon ganz komische Methoden ein, ihre Leute auf Linie zu bringen. Aber verrate mir mal einer, warum Barroso und die Schweden so geil darauf sind, unsere Kontodaten frei Haus über den großen Teich zu schicken? Der Spiegel schreibt, man habe mächtig Druck aus Washington bekommen. Wie „Drückerkolonnen“ habe man die Diplomaten belagert und was vom „Schicksal Europas“ gefaselt, das auf dem Spiel stehe.

Jetzt bin ich mal gespannt, ob die Bundesregierung Eier in der Hose hat oder ob sie bei dem wohl wichtigsten Datenschutz-Thema dieser Woche den Schwanz einzieht und sich feige der Stimme enthält.

Für den Datenschutzbeauftragten Peter Schaar ist die Sachlage klar: Hier werden „in einer Art Geheimgesetz die Bürgerrechte ausgeschaltet“. Er nennt dann auch die Dinge beim Namen: „undemokratisch“ und „höchst intransparent“.

Kloppe und ein Totenkopf

Wenn Schüler früher aufmüpfig wurden, hat man ihnen damals ordentlich den Arsch versohlt. Heute dürfen das die Lehrer nicht mehr, das übernimmt jetzt die Polizei: Während der Mainstream mal hier und da von einer gestörten Rektorenkonferenz berichtet, haben sich in Stuttgart offenbar ganz andere, dramatischere Szenen abgespielt. Mit Pferdestaffeln, Pfefferspray und Schlagstöcken ist die Polizei recht ruppig gegen die jugendlichen Demonstraten vorgegangen. Auch in Jena und Essen machten Schüler und Studenten unangeneme Erfahrung mit der Staatsmacht.  Für Aufsehen sorgte in Essen dann auch noch ein türkischstämmiger Polizist, der seinem „Einsatzmehrzweckstock“ – im Volksmund „Schlagstock“ genannt – zwecks höherem Wiedererkennungswert einen Totenkopfaufkleber aus dem Computerspiel „Guitar Hero“ verpasste. Die Demonstranten erinnerte die Kombination „Totenkopf“ und „Uniform“ doch eher an ein Symbol aus vergangenen Tagen. Nun, den Mann kann man getrost kaum der Neonazi-Szene zuordnen. Als ihm sein Fauxpas gewahr wurde, soll er sich  auch tausendmal entschuldigt haben.Aber mal abgesehen von der unglücklichen Symbolik darf man sich schon fragen, warum ein „Ordnungshüter“ einen Totenkopf auf seinen „Prügel“ klebt…

AugsburgR Puppenkiste

Den Lacher der Woche lieferte die Stadt Augsburg. Der arme Michael Fleischmann, der die Webseite www.augsburgR.de reserviert hatte, fragt noch freundlich bei der Stadtverwaltung an, ob die damit ein Problem hätten. Statt ein einfaches zeit-, kosten- und nervensparendes „Ja“ oder „Nein“, beauftragt der Amtsschimmel für die Antwort einen externen Juristen. (Kennen sich die Eigenen nicht mit diesem Internetdingens aus?) Der hat dann aber natürlich nichts besseres zu tun als gleich eine Abmahnung samt vierstelliger Kostennote zu übersenden. Hier fällt mir spontan wieder die Sache mit den vermanschten Gehirnen ein.

Diesmal ein Hoch auf die Lokalpresse: Die Augsburger Allgemeine hat das Thema aufgegriffen und für einen bundesweiten Sturm der Entrüstung gesorgt. Der Oberbürgermeister ruderte dann auch sogleich zurück. Eine echte Entschuldigung blieb jedoch aus. Nur ein kleines Sorry gegenüber einem Journalisten von Telepolis. Die Anwaltsrechnung trägt jetzt wohl der Steuerzahler.

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