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12. Juni 2010

Elende Spießer

Zugegeben, ich bin kein richtiger Fußballfan. Mit Fußball untrennbar verbunden sind für mich auch die an Wochenenden an Bahnhöfen und in Straßen herumgröhlenden Fans, spätestens nach dem Spiel nicht selten mit deutlicher Alkoholfahne versehen. Aber gut, wenn man sie in Ruhe lässt, sind sie ja auch meist friedlich. Sollen sie halt ihren Spaß haben und sich an den Wochenenden in den Stadien Flagge schwenkend, trommelnd oder drucklufttrötend ihrem Hobby ergeben. Soviel Toleranz habe ich auch noch.

Nun ist wieder Fußball WM und in Südafrika ist nunmal die Vuvuzela das Instrument der Wahl, wenn es darum geht, in den Stadien und drumherum unüberhörbar Stimmung zu verbreiten. Aber was ist das? Plötzlich sind die sonst beim Fußball ach so toleranten Teutonen angenervt über die “Wahnsinnströte” und fordern landauf landab deren Verbot. Is’ ja mal wieder typisch.

Was uns nicht passt, muss weg. Hierzulande hagelt es daher bereits Erlasse, die Vuvuzela bei öffentlichen Veranstaltungen zu verbieten. Naja, darin sind wir in Deutschland eh am besten. Verbieten verbieten verbieten.

Schon blöd, dass man den Südafrikanern nicht vorschreiben kann, was sie ihn ihrem eigenen Land tun und lassen sollen. Da muss also flugs eine andere Taktik ran: Die Vuvuzela sei schließlich auch keine afrikanische Tradition wird bereits argumentiert. Klasse, da hat man also schnell die Entschuldigung, warum man doch wieder an anderen herumkriteln darf. Ah, jetzt verstehe ich was damals mit Leitkultur gemeint war. Saufen, trommeln und gröhlen geht klar. Da wird die Tradition der “Fangesänge” hoch gehalten.  Autokorsos, Hupkonzerte, alles kein Problem. Aber Vuvuzela geht gar nicht!? Gerade in Deutschland ist es doch Sitte, jedes sonnige Wochenende mit dem Krach des Rasenmähers, der Kettensäge oder irgend einem anderen lärmenden Spielzeug aus dem Baumarkt in eine akustische Hölle zu verwandeln. Wehe man hört mal einen Vogel zwitschern oder einen Frosch quaken. Fallen die ersten drei Blätter im Herbst, rückt eine ganze Kavallerie mit dröhnenden Laubpustern aus, um eine handvoll Blätter von A nach B zu wehen und umgekehrt. Und jetzt macht ihr euch plötzlich Sorgen um eurer Trommelfell? Mal ganz ehrlich: Es ist nicht mehr 2006 und die Fußball WM ist weitergezogen. Andere Länder, andere Sitten. So ist das nunmal. A k z e p t i e r t  e s  !

Ob euch das Getröte nun passt oder nicht: Get the hell over it! Die Leute haben ihren Spaß, die WM dauert nicht ewig und schiebt jetzt bloss nicht die Vuvuzela vor, wenn ein Spiel mal nicht so läuft, wie ihr es erhofft habt. Elende Spießer.

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  1. Mehr Stimmung!

5 Kommentare zu Elende Spießer

  • Seatroll

    Sorry, aber ich muß mich dem “Block der Anti-Vuvu’s” anschließen. Wie Du weißt, geht mir Fußball “am Arsch vorbei” – aber zur EM und zur WM schaue ich mir gerne mal ein paar Spiele an und nehme gar (selten) an “public viewing events” teil.

    Mit diesem permanenten “Öööööööööööö” im Hintergrund aber, wird einem der Spaß an den Übertragungen verlitten – und das sehr wohl aus dem Grund, dass er jegliche Atmosphäre im Keim erstickt.

    Die seltenen Momente, die mich an WM’s und EM’s immer begeisterten waren, wenn beispielsweise die britischen Fans (und zumeist sogar recht melodisch) “Rule Britannia” anstimmten, wenn beim “Elfer schießen” das “OOooooooohhhh” aus Tausenden Kehlen bis zum Schuss immer lauter anschwoll, oder wenn man den Wutanfall eines niederländischen Trainers auch mal hören konnte, weil die Tontechniker zum perfekten Zeitpunkt auf das entsprechende Mikro umschalteten.

    Und dann dieses nervige Blabla von wegen “(süd)afrikanischer Kultur” – meines Wissens nach ist die Nervtröte beispielsweise in (süd)afrikanischen Rugby-Stadien (der wohl nach Fußball populärsten Sportart dort) schlicht verboten.

    Davon ab wurde die Vuvuzela ursprünglich aus Blech hergestellt. Sie wurde in Südafrika erst in den 90er Jahren überhaupt populär. Im Jahr 2001 begann das südafrikanische Unternehmen Masincedane Sport mit der Massenproduktion aus Kunststoff.

    Von einem Kulturgut kann man hier also nicht sprechen. Trommeln, Gesang und Tanz waren bis vor Kurzem bei allen sportlichen Wettkämpfen die Mittel der (süd)afrikanischen Fans, kein mit CI Logo bedrucktes Plastik-”Instrument”.

    Der Preis für eine Vuvuzela betrug in Südafrika bis vor kurzem etwa 30 Rand (rund 3 Euro), ist jedoch durch die nahende Fußball-Weltmeisterschaft in den Touristenregionen auf 100–200 Rand (etwa 10–20 Euro) gestiegen.

    Der Preis wurde von der FIFA gesteuert, was erklärt warum Blatter nichts gegen diesen Nervtöter unternimmt, verdient “er” doch ca. 2 Euro an jedem verkauften (mittlerweile bestimmt mit vielen Weichmachern billig in China hergestellt) 120db “Ööööööööö”.

    Last but not least nennt sich diese Veranstaltung “WELTmeisterschaft” – nicht “reiche, gelangweilte Südafrikaner tröten eine Veranstaltung kaputt” (denn diejenigen (Süd)Afrikaner, die sich tatsächlich für die Veranstaltung begeistern, werden sich die Tickets für die Spiele wohl kaum leisten können).

    Bei WM’s und Olympiaden sollte der sportliche Wettkampf aller teilnehmenden Nationen und der Sportler im Vordergrund stehen, es sollte bedacht und respektiert werden, daß Millionen anderer Menschen die Veranstaltung im TV und am Radio (jaja – und im Internet) verfolgen – und nicht nur die paar Tausend in den Stadien vor Ort. Daher hinkt auch ein Vergleich mit Auto-Korsos, Hupkonzerten und Laubbläsern kräftig – denn den Scheiß strahlt die BRD nicht per Sat-Uplink in alle Welt aus – das findet außerhalb der Spielstätten statt.

    … zum nächsten Motörhead Konzert kaufe ich mir einen Laubbläser mit Verbrennungsmotor und stelle mich in die erste Reihe. Sobald Lemmy die Bühne betritt, schmeiße ich das Ding an und lasse es auf höchsten Touren laufen. Mal sehen wer schneller ist – die Security, die mich aus dem Veranstaltungsort entfernt – oder die anderen Fans, die mir die Fresse polieren.

    http://www.logolook.de/wp-content/uploads/vuvuverbot.jpg

  • Seatroll

    P.S. Die Reduktion auf “die Teutonen” ist nicht angebracht, da sich Zuschauer, Sport-Journalisten und etc.pp. aus aller Welt über den Mist aufregen, die Unmutsbekundungen aus DE sind da nur eine leise Stimme unter vielen.

  • Seatroll

    CAN YOU FEEL IT?

    Komisch – Desmond Tutu ist während der WM-Eröffnungsfeierlichkeiten nicht niedergetrötet worden.

    http://www.youtube.com/watch?v=zysCem5hoAs
    http://www.youtube.com/watch?v=KKDvioZ1M8c
    http://www.youtube.com/watch?v=dMUhmiPUT2s

    Zufall oder Verschwörung, dass man während seines gesamten Auftritts keine einzige China-Plastik-Tröte hört?

    Hatte Blatter seine Verkaufsschergen noch nicht von der Leine gelassen?

    Oder vielleicht ist man sich allen Ortes der destruktiven Wirkung der “Ööööö”-Kulisse bewusst und hat sie dementsprechend zur Eröffnungsfeier nicht zugelassen?!

    Sind die Dinger (Vuvuzelas) also einfach nur Dreck und der bisher einzige Moment, wo man die (süd)afrikanische Bevölkerung *ehrlich* feiern sah, waren die Momente bei den Eröffnungsfeierlichkeiten (kein Eintritt – und dementsprechend ein tatsächlich repräsentatives Publikum)?!

    Schau Dir verschiedene Aufzeichnungen an, Gesänge, Pfiffe, Jubeln, rythmische (!) Trommeln – aber kein “Öööööööööööö” – also STFU, Du willst ja doch nur PageHits generieren :P.

    Viva Madiba!

  • “Auch die Preise dort sind für viele Südafrikaner unerschwinglich.”

    “Thomas Jedlitschka: Die Fifa konzipiert solche Feste nicht für die einfache Bevölkerung, sondern für eine reichere, weiße Schicht. Zu den Spielen der südafrikanischen Mannschaft kamen zwar auch viele einfache Schwarze, sie konsumieren aber so gut wie nichts.”

    http://www.tagesspiegel.de/sport/fussball-wm2010/eine-wm-fuer-reiche-weisse/1872360.html

    Reiche Spießer tröten die WM kaputt. Go go!

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