Blaffen wie bei Pawlow

Ach herrjeh, darauf habe ich ja gewartet: Jugendliche vergreifen sich in einem Ferienlager sexuell an ihren noch jüngeren „Lagerkameraden“ und es kommen wieder Politiker um die Ecke, die es sich einfach nicht verkneifen können, das Thema schamlos für ihre eigenen Politinteressen auszunutzen – Seitenhiebe gegen andere Parteien inbegriffen. Die bayerische Justizministerin Beate Merk schiebt den sexuellen Übergriff der Teenies doch jetzt tatsächlich dem nicht umgesetzten Internet-Kinderporno-Sperrschildchen-Gesetz in die Schuhe… und dem Koalitionspartner(!) FDP, der damals beim Sperrgesetz nicht so ganz mitziehen wollte.

Dümmer geht’s nimmer? Geht doch: Die Killerspiele sind natürlich auch noch schuld. Klar. Am Bildschirm trainieren diese kleinen Kinderterroristen seit Jahren mit „Grand Theft Bottle“ oder „Colastrike“ wie man anderen Menschen gewaltsam Gegenstände in den Hintern schiebt. Und würden diese Gören nicht ständig Gewaltvideos im Internet schauen, dann hätte es in dem Feriencamp auf Ameland statt dieser solcher Gewaltexessen wohl höchsten Topfschlagen oder Friedenslieder am Lagerfeuer gegeben!?

Wie schön das doch wieder passt. Sex, Gewalt, Porno … und das böse Internet. Ein Festmahl für Politdemagogen.

Hat sich Frau Merk jüngst mal in einer örtlichen Videothek umgeschaut? Weiß sie, was für Videos dort seit Erfindung der VHS-Kassette vor über 30 Jahren in den Regalen auszuleihen sind? Da gibts ganz legal Filmchen bei denen sich erwachsene Menschen irgendwelche sperrigen Gegenstände in dafür ungeeignete Körperöffnungen stecken. Es mag Frau Merk ja erschrecken, aber an sowas kommen Jugendliche, wenn sie nur wollen, auch heran.

Sollte man in diesem Fall nicht erstmal die Hintergründe beleuchten, wie es zu den Übergriffen kommen konnte? Wer war der Anstifter, wer war Mitläufer? Laut Stern soll sich sogar ein zuvor selbst misshandelter Jugendlicher anschließend an den Taten beteiligt haben. Sieht mir doch alle nach fiesen kleinen Machtspielchen auf einer Jugendfreizeit aus, wie es sie nicht nur dort gibt. „Mach mit, sonst gehörst Du nicht dazu…“

Erinnert sich noch jemand an die Bundeswehrkaserne im rheinland-pfälzischen Zweibrücken? Da sollen sich die Soldaten eines Fallschirmjäger-Battailons gegenseitig Dörrobst in den Allerwertesten geschoben haben. Im Übrigen ist sowas kein Einzelfall. Und nun? Bundeswehr abschaffen, weil die Leute da sozusagen Killerspiele „live“ erleben?

Politikverdrossenheit macht sich breit, heisst es allenorts. Politikverdrossenheit? POLITIKERverdrossenheit wohl eher! Sie blaffen wie der pawlowsche Hund immer dann, wenn sich ihnen eine Gelegenheit ergibt. Ätzend.

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