Archiv

10. August 2010

Deutsche Polizeigewerkschaft fördert Lynchjustiz

Ach was waren das damals im Mittelalter doch für gute Zeiten. Da gab es sie noch, die gute alte Lynchjustiz. Irgend ein Bösewicht in der Nachbarschaft? Ein Gewaltäter? Ein Dieb? Vielleicht auch nur ein Gerücht? Egal. Der gute alte Mob konnte damals noch ungestraft mit Fackeln, Schaufeln und Spitzhacke bewaffent losziehen und den Delinquenten ungestraft zur Strecke bringen. Am besten in Stückchen hacken und die Überreste zur Abschreckung am nächsten Baum aufknüpfen. Das entlastete schon damals die Justiz ungeheuerlich. Klar, da erwischte es ab und an auch mal den Falschen. Gleiche Frisur, ähnliche Zahnlücke, was solls. Sowas würde man heute unter “Kollateralschäden” verbuchen. Mit seiner jüngsten Forderung, Gewalttäter im Internet mit Namen, Foto und Wohnort öffentlich an den Pranger zu stellen, scheint der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) Rainer Wendt diesem “Outsourcing”-Gedanken staatlicher Gewalt wieder Auftrieb geben zu wollen.

In den USA funktioniert dieses Justiz-Outsourcing schon prima. So gibt es beispielsweise in Kalifornien eine Onlinedatenbank mit Sexualstraftätern bei denen jeder Bürger öffentlich deren Wohnort einsehen kann. Ein 29-jähriger Anwohner hat das 2007 offenbar als Aufforderung angesehen, einen 67-jährigen verurteilten Kriminellen mit dem Messer abzustechen. Er glaubte, er habe einen Kinderschänder vor sich, der seinen Sohn schief angeschaut habe. Der Ermordete war zwar wegen Sexualdelikten, jedoch niemals im Zusammenhang mit Minderjährigen bereits verurteilt und hatte seine Strafe abgesessen.

Auch der damals 20-jährige Kanadier Stephen A. Marshall spielte sich 2006 als Rächer auf, durchforstete systematisch die Datenbanken nach Sexualverbrechern und machte sich schließlich in den US-Bundesstaat Maine auf, um dort zwei Triebtäter über den Haufen zu schießen.

Rainer Wendt meint, das Veröffentlichen der Straftäter würde für mehr Sicherheit sorgen. Der Bürger habe ein Recht zu erfahren, wenn ein Sexualstraftäter in der Nachbarschaft wohnt. Achso, habe ich dann also Gelegenheit zum Umziehen, oder wie darf ich das verstehen?

Kann nämlich gut sein, dass ich mich dann in der Tat nicht mehr sicher fühlte, wüsste ich, wenn ein Sexualstraftäter in meiner Gegend wohnte. Vor allem aber, wenn es jeder im Internet nachschauen könnte. Ich hätte dann nämlich nicht unbedingt vor dem bereits verurteilten und seine Strafe bereits verbüßten Verbrecher Angst, sondern eher vor dem wütenden Mob. Weiss ich denn, ob nicht ein armer irrer selbsternannter Rächer des Nachts schwer bewaffnet in den Büschen hockt und auf seine Chance wartet? Da kann man nur hoffen, im Eifer des Gefechts nicht verwechselt zu werden. Schöne neue Welt.

Wo wohnt eigentlich der Wendt?

Ein Kommentar zu Deutsche Polizeigewerkschaft fördert Lynchjustiz

  • Hallo,
    also ich bin schon dafür das es zb. möglich ist jemanden der mein Kind,Frau oder ein anderes Familienmitglied bedroht oder verletzt, mit Körpereinsatz zu beschützen! ( Faust, Fußtritt, Kopfstoß, Beißen,…) Denn Du siehst wie es zu ende geht, wenn der Staat einschreitet, da werden aus Tätern (manchmal Mördern) Opfer !!
    Aber so wie es heute abgeht, wirst zu Hause überfallen und der “Wuffi” beißt den Einbrecher und dann darf man selbst noch Schmerzensgeld an dem Kriminellen bezahlen ???!! Das soll mal einer verstehen^^

Schreibe einen Kommentar

 

 

 

Du kannst diese HTML-Tags benutzen

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Durch Absenden des Kommentars willigen Sie ein, dass Ihr angegebener Name, die E-Mail und genutzte IP-Adresse im Zusammenhang mit Ihrem Kommentar gespeichert werden. Eine Weitergabe oder Veröffentlichung an Dritte findet nicht statt!