Lobby-Politik

Wer eine starke Lobby hat und wer nicht, lässt sich dieser Tage wieder hervorragend beobachten: Nach dem Amoklauf von Lörrach, bei dem eine Sportschützin drei Menschen getötet und weitere schwer verletzt hat, bemühen sich Polizei und Politik auffällig schnell Ruhe in eine neuerliche Verbotsdiskussion von so genannten „Sportwaffen“ zu bringen. So zitiert Die ZEIT den CDU-Innenexperten Wolfgang Bosbach mit den Worten „Wegen einer solchen Tat kann man nicht Millionen von Sportlern die Ausübung ihres Sports verbieten.“ Das leuchtet ein. Aber wäre er doch immer so konsequent…

Nach dem Amoklauf von Emsdetten 2006, bei dem ein 18-jähriger Schüler fünf Menschen verletzte, sagte Wolfgang Bosbach noch im Spiegel: „Sollte sich tatsächlich herausstellen, dass der 18-jährige Täter sich über einen längeren Zeitraum und intensiv mit sogenannten Killerspielen beschäftigt hat, müsste der Gesetzgeber nun endlich handeln.“

Nach dem Amoklauf von Winnenden, 2009, bei dem ein 17-Jähriger Schüler 14 Menschen mit der Sportwaffe seines Vaters tötete, da wollte Bosbach wenigstens noch Paintball-Spiele verbieten.

Nun aber passt die Amokläuferin so gar nicht in das typische Killerspielerschema: Kein gemobbter Teenie, kein Killerspiel-Fan, keine Freizeit-Paintballerin, sondern eine erwachsene Frau, von Beruf Juristin und Mutter eines Kindes. Was bleibt, war der ungehinderte Zugang zu Sportwaffen. Wie bei fast allen Amokläufen der vergangenen Jahre.

So wundert es auch nicht, dass sich im Netz nun Häme verbreitet, über die teils hysterischen Verbotsdiskussionen der letzten Jahre. Von der in dem verlinkten Stern Beitrag jedoch gefaselten „Rücksichtslosigkeit“ der Netizens gegenüber den Opfern kann dabei jedoch keine Rede sein!

Über Twitter verbreitete sich folgender Satz am Tag nach der Tat wie ein Lauffeuer:

Die Amokläuferin von Lörrach: heterosexuell, verheiratet, katholisch, Juristin. Bosbach weiß noch nicht so richtig, was er verbieten will

Und gleichzeitig offenbart sich, was andere schon seit Jahren wissen: Wegen einer solchen Tat, kann man nicht Millionen von Computerspielern ihr Hobby verbieten. Nur leider gibt es einen Unterschied: Schützenvereine haben in Deutschland eine starke Lobby. Computerspieler nicht. Aber eines steht fest: Würden Sportschützen ihre Waffen gegen Computer eintauschen, das Land wäre ein Stück sicherer.

2 Comments

  1. Schau an … Killerspiele … auch EMMA-Extremisten, haben diesesmal garkeinen Zusammenhang mit Killerspielen oder Pornos oder whatever gezogen, merkwürdig merkwürdig:
    http://cymaphore.net/j/54

    Aber hauptsache die armen Waffen haben mit der Tat nix zu tun (Bosbach) !!1!

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