Dachbodenfund: Fotos aus dem 2. Weltkrieg

Es fühlte sich ja schon so ein wenig wie „Schatzsuche“ an. Vor ein paar Tagen wühlte ich auf dem Dachboden im Stalltrakt unseres kleinen Bauernhauses in alten Sachen herum. Meine Mutter hat hier noch so allerlei Dinge aus meinen Kindertagen liegen. Aber vier Holzschachteln weckten meine Aufmerksamkeit. Die kannte ich noch nicht. Hat hier etwa jemand alte krümelige Zigarren gehortet? Von wegen! In den Boxen fanden sich unzählige schwarz-weiß Kleinbildfilme. Ordentlich durchnummeriert und teils tadellosem, teils mittelmäßigem Zustand. Fotos aus dem 2. Weltkrieg.

Ich schnappte mir eine der Rollen und hielt sie gegen das Licht. Menschen am Fließband verpacken irgendwelche Dinge, Zerstörte Straßenzüge und Portraitaufnahmen von Menschen bei Veranstaltungen in Uniform? Jetzt wirds spannend.

Vier Kisten mit bis zu 40 Filmrollen je Kiste. Hier gibt es eine Menge zu entdecken.

Vier Kisten mit bis zu 40 Filmrollen je Kiste. Hier gibt es eine Menge zu entdecken.

Meine Mutter, selbst erst einige Jahre nach dem Krieg geboren, bekam diese Fotos vor langer Zeit von einem längst verstorbenen Bekannten geschenkt, der sie wiederum vor noch längerer Zeit vom einem befreundeten Fotografen aus Hamburg erhalten haben soll. „Zerstörte Bilder von Hamburg nach dem Krieg“ seien da drauf, hieß es.

Dachbodenfund: Hamburg vor und nach dem 2. Weltkrieg

Da sie damals gern selbst fotografierte und eine Dunkelkammer-Ausrüstung für die schwarz-weiß Fotografie hatte, überließ der Bekannte ihr diese Fotos. Die Zeit verging, der Bekannte starb, die Negative gerieten in Vergessenheit. Nun habe ich sie auf dem Dachboden wiedergefunden.

Ein paar Rollen habe ich nach dem Zufallsprinzip vorsichtig entnommen und durch einen handelsüblichen Flachbettscanner mit Durchlichteinheit gejagt. Dann die Überraschung: Das waren keine Nachkriegsaufnahmen. Männer bei einer Versammlung mit Hakenkreuzbanderolen am Arm. SS- und Wehrmachtsuniformen. Kranzniederlegenungen mit Hitlergruß, Spielende Kinder auf einem Panzer.

Wer erkennt jemanden? Traf sich hier ein kleiner "NSDAP-Ortsverein" oder sind hier bekannte Nazigrößen zu sehen?

Fotos haben berichtenden Charakter: Traf sich hier ein kleiner „NSDAP-Ortsverein“ oder sind hier bekannte Nazigrößen zu sehen?

Und dann immer wieder zerstörte Straßenzüge und Gebäude. Sogar eine Sprengung scheint auf einem Foto festgehalten zu sein. Diese Bilder sind während der Kriegsjahre 1939-1945 entstanden und die Art und Weise der Fotos ist offensichtlich journalistischer Natur. Keine Privatfotos, hier war ein Berichterstatter am Werk.

Ich werde die Bilder nun  mit einem professionelleren Negativscanner digitalisieren und anschließend sachgemäßer archivieren und lagern. Zunächst geht es jedoch darum, herauszufinden, wer die Fotos gemacht hat und wann diese genau entstanden sind. Ob sich alle Rästel lüften lassen, weiß ich heute noch nicht. Aber es wird auf alle Fälle spannend.

Weitere Bilder habe ich derzeit auf Flickr ausgestellt. Wer Informationen zu den dargestellten Szenen liefern kann, ich freue mich über jeden Hinweis!

 

 

7 Comments

  1. Es kann aber auch sein das die Leute im Uniform deren Bild nicht veröffentlichen wollen oder es in der Öffentlichkeit sehen zb Blogs Face Book USW, du weiß schon nachher war es keine gewesen und von wissen, keine Ahnung….

    Ich bin gespant auf den Resonanz

    Gruß
    Kieran

  2. Hallo Kieran, berechtigter Einwand. Ich denke aber, dass von den abgebildeten Personen wahrscheinlich heute keiner mehr lebt, dessen „Recht am eigenen Bild“ verletzt sein könnte. Auf der anderen Seite ist hier auch der historische Hintergrund zu bewerten. Ich bin auch gespannt, was bei der Suche nach Antworten heraus kommt.

  3. Ja ich bin auch gespant wie es weiter geht….
    Gute Seite Denis

  4. Hallo Herr Knake,
    ich hoffe, es geht Ihnen gut und sie haben eine aufregende Zeit mit den alten Fotos aus Nazizeiten. Fur Sie ist das aufgrund Ihrers Alters wahrscheinlich Geschichte.
    Fur mich haben Sie da vielleicht auch Photos, die mein eigenen Leben indirekt beleuchten, in Haenden .
    Sind das Photos aus Hamburg, die auch im „Hamburger Fremdenblatt“ abgebildet waren oder von Journalisten gemacht wurden?
    Mein Vater, Robert Duewel, war dort Redakteur. Ich weiss ueber sein Leben in der Nazizeit so gut wie nichts, denn Fragen waren mir als Kind und Jugendliche verboten. Die wurden von meiner Mutter mit Ohrfeigen und den Worten „quael den Vater nicht“geahndet. Einmal war zwischen meinen Eltern von einer sehr niedrigen Parteinummer die Rede. Durch die Entnazifizierung ist er mit zweijaehrigem Berufsverbot gekommen.
    Ich fand, dass mein Vater der wunderbarste Mensch auf der Erde war. Aber es verwirrt und aengstigt mich bis heute, dass ich nicht weiss, wie sehr er damals fuer diese unselige Partei Propaganda gemacht hat.
    Sollten Sie auf zufaellig auf den Namen meines Vaters stossen, lassen Sie es mich bitte wissen.
    Mit herzlichen Gruessen aus Finnland,
    Doris Duewel

    P.S. Der Name Duewel schreibt sich korrekterweise mit „Tuetelchen“ auf dem „u“, die aber auf meinem finnischen keyboard nicht existieren.

  5. Hallo.

    Gibt es auch filmrollen mit farbige agfacolor 35mm film ?

    Mein sammlung hast 27,000 farbdiias aus der zeit 1936 bis 1945.
    Danke und Liebe Grusse.
    Ian Spring.

  6. Hallo Ian, nein, es handelt sich ausschließlich um s/w Aufnahmen auf Negativfilm. Keine Dias dabei. Besten Gruß. Dennis

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