Gekaufte Aufmerksamkeit

Nach dem Versand einer Pressemitteilung für meinen Arbeitgeber erhielt ich von einem Verlag tags darauf die folgende Antwort:

„Hallo Herr Knake, wir veröffentlichen normalerweise keine Messemeldungen – aber für die CeBIT dieses Jahr machen wir eine Ausnahme. Auch Ihre Pressemitteilung könnte veröffentlicht werden, wenn unser Aufwand über die Buchung eines Links oder Logos gegenfinanziert werden würde.“


Es ist schon so eine kleine Hassliebe zwischen Journalisten und PR-Leuten. Die einen brauchen interessante News für Ihre Leser, die anderen glauben, jede ihrer Neuigkeiten sei für die Öffentlichkeit unbedingt interessant. Und so gibt es PR-Menschen, die alles Mögliche als Neuigkeit verkaufen, auch wenn es nicht unbedingt eine ist. Die Journalisten ärgern sich dann über solche Nullnummern, die Ihnen die Mailfächer verstopfen und kostbare Arbeitszeit stehlen. Die PR-Leute wiederum stehen unter dem Druck, stetige Öffentlichkeit für Ihr Unternehmen zu erzeugen.

Wenn es mit rein journalistischen Mitteln nicht mehr geht, dann greift halt die Marketingabteilung ein. Man schaltet Anzeigen oder ein so genanntes „Advertorial“. Letzteres sind von PR-Menschen geschriebene Artikel, die jedoch nicht freiwillig in den Zeitschriften landen sondern gegen Bezahlung. Meist thematisch zur jeweiligen Ausgabe passend. Das ist auch vollkommen in Ordnung. Wichtig dabei aber: Diese Beiträge müssen klar und deutlich als Advertorial gekennzeichnet sein. Der Leser weiß dann: „Ok, hier spricht das Unternehmen und nicht die Redaktion.“

Auch für die Redaktion ist das eine wichtige Abgrenzung zu ihrer ansonsten der journalistischen Sorgfaltspflicht unterliegenden Arbeit. Wer will sich schon nachsagen lassen, ein reines Sprachrohr der Firmen zu sein? Ich kaufe mir als Leser schließlich ein Magazin, um objektiv informiert zu werden.

Doch nicht alle Verlage nehmen es mit dieser Sorgfaltspflicht besonders ernst, wie das oben genannte Beispiel zeigt. Nun könnte man abgebrüht sein und sich sagen: „Klar, cool, ich lass ein wenig Backschisch rüberwachsen und schon erscheint mein Beitrag in voller Länge, hochglanz und in Farbe. Die Chefs werden sich freuen und mir auf die Schulter klopfen. Gut gemacht, toll, dass wir da erschienen sind.“

Doch um Grunde belügen wir uns damit alle gegenseitig. Ich meine Chefs, die Chefs sich selbst und das Magazin seine Leser.

Denn was bedeutet so ein Angebot? Für mich folgendes: Das Magazin hat offenbar keinerlei journalistische Inhalte zu bieten, ein reines Hochglanzheft voller Paid-Content. Entweder ist es das Geschäftsmodell, oder man leidet schlichtweg unter Absatzproblemen. Wer so ein Heft auch nur einmal mit Verstand durchgelesen hat, merkt das dann auch. Für micht ist die Reputation damit hinüber. Es ist zudem davon auszugehen, dass das Heft wohl in erster Linie an all diejenigen verteilt wird, die dort selbst für ihre Beiträge bezahlt haben.

An den Kiosken wir des wohl eher ein Ladenhüter sein. Es ist nur dazu da, das eigene Ego zu steigern, da man sich mal selbst in gedruckter Form wiederfindet. Das wars dann aber auch. Mein eigentliches Ziel, mit meinen Inhalten die Öffentlichkeit zu erreichen, habe ich damit verfehlt. Denn die liest so ein Magazin mit großer Wahrscheinlichkeit erst gar nicht.

 

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