Damit eines gleich klar ist: Nachdem ich den Beitrag von WELT-Korrespondent Richard Herzinger “Der Tod Bin Ladens – ein Sieg der Humanität” gelesen habe, wurde mir deutlich, warum sich gerade in den Leserkommentaren des Onlineangebotes der WELT immer so viel rechtskonservatives (und leider noch viel schlimmeres) Gedankengut wiederfindet. Da scheint die schreibende Zunft der Leserschaft in nichts nachzustehen. Der Beitrag trieft von amerikanischem Phatos, lässt den obligatorischen Rundumschlag gegen Grüne und Linke nicht aus und ist auch sonst in bestem Neocon-Talk gehalten. Ich kannte das Blog von Herzinger zuvor nicht. Aber schon beim ersten optischen Eindruck schwante mir übles. Der Artikel ist ein Schlag ins Gesicht für alle denen Begriffe wie Völkerrecht, Menschlichkeit und Rechtsstaatlichkeit noch etwas bedeuten. Ich habe mir mal die Mühe gemacht, einzelne Passagen zu kommentieren. Kurz zusammengefasst: Herzinger regt sich darüber auf, dass die Deutschen es gewagt haben, Angela Merkels freudige Worte über den Tod Bin Ladens zu hinterfragen und sich auch sonst nicht zu Hurra-Rufen hinreißen ließen.
Kategorie-Archiv: Meinung
Den Rechtsstaat im Meer versenkt
Jubeln, Fahnen schwenken und “USA! USA! USA!” skandieren. Die Videos aus den Straßen von New York und Washington nach dem verkündeten Tod von Osama Bin Laden lösen bei mir gemischte Gefühle aus. “Justice has been done”, hat Obama verkündet. Doch das war nicht “Justice”, die die Menschen zu Freudentänzen veranlasst hat. Das war die Befriedigung niederer Rachegelüste. Menschlich irgendwie verständlich. Und dennoch: Ein Land, das sich immer wieder auf das hohe moralische Podest von Freiheit, Gerechtigkeit und Demokratie stellt, muss alles tun um die Rechtsstaatlichkeit zu wahren. Richtig schlecht wurde mir dann, als unsere Bundeskanzlerin als bekennende Christin offen ihre “Freude” über den Tod des als Topterroristen gesuchten Bin Laden äußert. Weiterlesen
Festgefahren
Ich euch das auch aufgefallen? Die News der letzten Tage haben sich irgendwie festgefahren. Was war das noch für eine actionreiche Woche – die letzte Woche. Krieg in Libyen, Erdbeben-, Tsunami- und Atomkatastrophe in Japan – die Programmmacher wussten gar nicht mehr, welchem Ereignis sie zuerst eine Sondersendung widmen sollten. Und nun? In Libyen wird irgendwie ergebnislos vor sich hingebombt und das Atomkraftwerk in Fukushima kann sich auch nicht entscheiden, ob es nun endgültig mit allem Zipp und Zapp zum Super-GAU mutieren soll. Konsequenz? In der Tagesschau von gestern rückt erstmal der Euro-Rettungsschirm wieder auf den Spitzenplatz der Berichterstattung. Laaaangweilig.
And we will all go together when we go…
Ob Erdbeben, Tsunamis, Nuklearkatastrophe, Volksaufstand oder Luftangriffe… ob Japan, Libyen, Bahrain oder was weiss ich wo noch. Schalte ich in diesen Tagen die Nachrichten an, verspüre ich den unwiederstehlichen Drang mir wieder diesen 1953er-Klassiker von Tom Lehrer anzuhören. Hat trotz seines Alters so was Erfrischendes – in diesen Tagen voller Sondersendungen und Katastrophenmeldungen.
„N“ steht für Nachrichten
In Ägypten stürzt die Regierung, CNN, Al Jazeera, BBC News, France 24 und selbst der sonst etwas lokaler agierende britische Nachrichtensender Sky News informiert seine Zuschauer umfassend. Und unsere deutschsprachigen Pendants N24 und n-tv? Da kann man sich weiterhin aufgewärmte Doku-Konserven über Raubkatzen, moderne Kampfflieger oder die fünftausendste Weltkriegs-Doku reinpfeifen. Und auch als am Samstagabend ein schweres Zugunglück bei Magdeburg die Runde macht, sind unsere deutschen „Nachrichtensender“ lediglich mit einem Laufband an unteren Bildschirmrand dabei. Ein Ticker-Trauerspiel.
Chappi macht auch satt
Nach langem Hick-Hack hat sich unsere Regierung auf eine Erhöhung Anpassung, des Hartz IV Satzes um Satte fünf Euro pro Monat durchgerungen. Und unsere Jetzt-Arbeits-früher-Familienministerin Ursula-an-mir-perlt-Kritik-ab-wie-Wasser-auf-dem-Lotusblatt-von der Leyen spielt auch wieder clever die Neid-Karte aus: Mehr als fünf Euro wäre ein Hohn für die arbeitende Bevölkerung, sagte sie sinngemäß am Wochenende bei Anne Will im Fernsehen. Ist ja auch ein taktisch kluger Schachzug, die arbeitende gegen die arbeitslose Bevölkerung gegeneinander auszuspielen. Kommen die nicht auf die Idee, ihren Ärger an den ohnehin so gebeutelten Volksvertretern abzulassen. Sind ja eh alles nur faule Säcke, die Leute ohne Job.
Eva Herman: Auf den Kopp gefallen?
Auf der Duisburger Loveparade sterben im Gedränge des einzigen Ein- und Ausgangs 19 Menschen, hunderte werden verletzt. Wer letztendlich Schuld an dem Unglück ist, wer bei der Planung oder Freigabe der Veranstaltung gepennt hat, all das wird in den nächsten Tagen und Wochen zu klären sein. Den Toten und Hinterbliebenen hilft das letztendlich herzlich wenig. Doch im Windschatten des Unglücks meldet sich plötzlich wieder eine zu Wort, die schön des Öfteren mit zweifelhaften Äußerungen wie etwa zur Rolle der Frau im dritten Reich, aufgefallen ist. In kruden Worten – einem fanatischem Christenprediger nicht unähnlich – spricht sie von Sodom und Gomorrha, zügellosem Sex, Drogen und Alkohol und macht neben der “heutigen Jugend” und ihren “verfallenen Sitten” die 68er-Generation für die Katastrophe verantwotlich. Ihre Andeutung, eine höhere Macht (Gott?) habe dem ungezügelten Treiben ein Ende gesetzt, lässt mich aufschreien und fragen: Oh Eva, warum bist Du bloß so auf den Kopp gefallen?
Der E-Postbrief: Mehr Nachteile als Vorteile?
Seit kurzem wirbt die Deutsche Post AG mit dem E-Postbrief. Einer angeblich sicheren Variante, elektronische Briefe – füher hieß das mal E-Mail - zu verschicken. Ganz ohne Spam und mit Übergang in die physische Welt, denn eine elektronisch aufgebene Nachricht kann auch auf Papier zugestellt werden. Und weil sich jeder Nutzer einer E-Post Adresse zuvor bei der Post registrieren und identifizieren lassen muss, sei das ganze auch viel sicherer als die E-Mail und bringt dem Kunden viele Vorteile, auch bei Behördengängen. Aber stimmt das überhaupt? Weiterlesen
