Wie erklärt man die re:publica? Ein Blogger-Treff? Eine Social-Media Konferenz? Oder ist es nur eine „Internet Messe“, von der Moderatorin Anne Geesthuysen im ARD Morgenmagazin sprach? Irgendwie trifft es zu und dann auch wieder nicht. Die re:publica ist weit mehr als das. Aus der ganzen Welt reisen einmal pro Jahr Unternehmer, Wissenschaftler, Aktivisten, Visionäre und ja, auch Weltverbesserer, nach Berlin. Sie alle eint eine Eigenschaft: Ihre Ziele mit Hilfe modernster Kommunikationstechnologien zu erreichen.
Kategorie-Archiv: Medien
Gekaufte Aufmerksamkeit
Nach dem Versand einer Pressemitteilung für meinen Arbeitgeber erhielt ich von einem Verlag tags darauf die folgende Antwort:
“Hallo Herr Knake, wir veröffentlichen normalerweise keine Messemeldungen – aber für die CeBIT dieses Jahr machen wir eine Ausnahme. Auch Ihre Pressemitteilung könnte veröffentlicht werden, wenn unser Aufwand über die Buchung eines Links oder Logos gegenfinanziert werden würde.”
Artikeldebatte im Netz: Die Vertreibung aus dem Paradies
Früher, da war das Internet noch in Ordnung. Man konnte stundenlang im Web surfen, ohne von Werbebannern und hinterlistigen Abofallen behelligt zu werden. Man konnte disktutieren, ohne Abmahnungen zu fürchten. Man tauschte Musik mit Freunden, ohne ein Sondereinsatzkommando der Polizei zum Frühstück zu begrüßen. Es gab auch keine Politiker, die glaubten, das Internet mit “Verhaltensregeln” (das nannten wir Netiquette), “Notrufknöpfen” (das nannten wir abuse-Mail) und sinnfreien Stoppschildern (das nannten wir dämlich) neu erfinden zu müssen. Damals hieß meine Webseite auch schlicht und einfach noch die Homepage. Irgendwann kam dann eine neue Software, die alles etwas einfacher machte. Fortan nannte ich mein digitales Tagebuch Blog, die Kurzform von Weblog. Das Webtagebuch. Das Blog.
Social Web ist keine Einbahnstraße
Nachdem die Fuldaer Zeitung einen unsäglichen Kommentar zu dem Attentat in Oslo ihres Redakteurs Manfred Schermer wortlos aus dem Internet gelöscht hat, ist sie offenbar bemüht, sämtliche Spuren der Kritik aus ihrem Einflussbereich zu entfernen.
Kurze Erinnerung: Schermer lamentierte ohne Kenntnis der Faktenlage vom “feigen islamistischen Terrorpack” und warb für die Einschränkung unserer Freiheit, da sie nur so zu schützen sei. Ganz im Gegensatz zu Norwegens König Harald, der am Tag nach dem Anschlag betonte, dass Freiheit immer über Angst siegen müsse. Weiterlesen
Attentat von Oslo: Qualitätsjournalismus weggebombt
Als mich gestern die Bilder aus Oslo erreichten, teilte ich meinen ersten Gedanken in der neuen Social Media Plattform Google+: „Dieses Bild aus Oslo erinnert mich ein wenig an Oklahoma :-/“. Zu sehen war eine zerstörte Hochhausfront und unzähliger Schutt vor dem Gebäude.
Wie nah ich damit auch dem Hintergrund des Terroranschlags kam, war mir zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht bewusst. Wie wohl viele andere auch, hatte ich gleich Islamisten in Verdacht. Doch am Ende war der Vergleich mit Oklahoma viel zutreffender. Wie jetzt der Attentäter von Norwegen war es auch am 19. April 1995 kein böser Moslem, der die Bombe vor dem Murrah Fedaral Building in Oklahoma City zündete und damit 168 Menschen tötete, sondern ein rechtsradikaler Fanatiker.
Innerlich so voreilige Schlüsse zu ziehen ist eine Sache. Sie lassen sich im Stillen revidieren, überdenken. Doch wenn – wie gestern geschehen – Journalisten, Moderatoren und unzählige angebliche Terrorexperten schon kurz nach dem Anschlag ohne Kenntnis weiterer Fakten über dschihadistischen Terror schwadronieren und damit ein vorbestimmtes Weltbild in den Köpfen ihrer Zuschauer zementieren, hat das eine ganz andere Qualität.
Provinzposse Reloaded
Frei nach dem Motto “hat man keine Nachrichten, erfindet man sich welche”, wird nun eine jahrelange Provinzposse im ostfriesischen Emden aufgewärmt. Dort wettert seit Jahren ein FDP-Regionalpolitiker gegen die Sperrung eines Weges, der durch das Naturschutzgebiet “Petkumer Deichvorland” führt. In dem rund 200 Hektar großen Areal brüten und rasten alljährlich seltene Vogelarten. Die will man mit der Sperrung unbehelligt lassen. Nur in der Sommerzeit vom 15. Juli bis 30. September ist das Betreten für Fußgänger und Radfahrer erlaubt. Als ob gerade erst geschehen, präsentiert die Ostfriesen-Zeitung zu Beginn der diesjährigen Öffnungsperiode die Titelzeile “Wieder Streit um Teekabfuhrweg – Schmierereien an der Pforte”. Abgebildet wird ein Foto des Weges, auf dem Unbekannte einen Spruch an den Eingang gemalt haben. Dazu schreibt die Zeitung “Jetzt haben Unbekannte den Weg [...] beschmiert”.
Legenden sterben nie
Ein Hacker-Angriff auf den US-Luftfahrt und -Rüstungskonzern Lockheed Martin macht die Runde. Ob und welche Daten die Angreifer dabei entwenden konnten, ist nicht ganz klar. Offenbar galt der Angriff zunächst bestimmten Sicherheitsschlüsseln, um damit später Zugriff zu sensiblen Systeme zu erlangen. Die Süddeutsche Zeitung fragt in ihrem Beitrag: “Haben die Hacker sensible Daten über neue geheime Waffensysteme gestohlen?” – und präsentiert dem Leser das computeranimierte Foto eines futuristischen Raumschiffs.
Sieht zwar gut aus, hat aber einen Haken. Die X-33 wird es so wohl nie geben. Auch zehn Jahre, nachdem die US-Regierung aufgrund explodierender Kosten das X-33 Venture Star Programm eingestampft hat, ist die Legende nicht totzukriegen, die X-33 werde das nächste Raumfahrtzeug der NASA.
Gurkentruppe
Ein Thema füllt derzeit wieder besonders häufig die Schlagzeilen der Gazetten: EHEC, das Killerbakterium, das mit der Rohkost kam. EHEC, das steht für Enterohämorrhagische Escherichia coli und bezeichnet eine für Menschen gefährliche Variante des Escherichia coli Darmbakteriums. Während letzteres zu unserer natürlichen Darmflora gehört, löst die enterohämorrhagische Variante eine gefährliche Durchfallerkrankung mit Nierenversagen aus. EHEC entsteht, wenn auf Baktieren spezialisierte Viren, so genannte “Bakteriophage”, die harmlosen escherichia coli Bakterien infizieren, verändern und diese dann ein für den Menschen gefährliches Toxin produzieren lassen.
Soviel zum Laienwissen, dass sich jeder innerhalb weniger Minuten dank Internet zusammengoogeln kann. Falsch ist es aber, EHEC selbst als Virus zu bezeichnen. Denn Viren und Baktieren sind etwas vollkommen unterschiedliches. Antibiotika können beispielsweise nur bei einer Bakterieninfektion helfen, nicht bei einer viralen Erkrankung. Bakterien verfügen über eine eigene Zellstruktur und können sich selbst vermehren. Viren benötigen Wirtszellen. In vielen Zeitungsredaktionen scheint sich das aber nicht herumgesprochen zu haben. Besonders bei Lokalzeitungen ist das dieser Tage wieder auffällig.


