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Hui, da haben wir aber ein Thema gefunden, bei dem man sich als Politiker jetzt vorzüglich als Verfechter der Privatsphäre profilieren kann: Ogott, mein Haus ist im Internet zu sehen? Skandal! Dass die gleichen Leute, die sich jetzt wie ein Rudel Robin Hoods so wehement für den Schutz der Privatsphäre des Bürgers einsetzen, gleichzeitig so Dinge wie Vorratsdatenspeicherung, biometrische Reisepässe, Nacktscanner am Flughafen oder das SWIFT-Abkommen zum Transfer der Kontobewegungen in die USA aussprechen – um nur einiges zu nennen - ist blanker Hohn! Auf der einen Seite können sie gar nicht genug Daten von uns bekommen, auf der anderen Seite führen sie mit Google Street View eine hervorragende Scheindebatte und geben sich als Hüter von Datenschutz und Privatsphäre aus. Hier mal ein paar Kostproben…
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Auf der Duisburger Loveparade sterben im Gedränge des einzigen Ein- und Ausgangs 19 Menschen, hunderte werden verletzt. Wer letztendlich Schuld an dem Unglück ist, wer bei der Planung oder Freigabe der Veranstaltung gepennt hat, all das wird in den nächsten Tagen und Wochen zu klären sein. Den Toten und Hinterbliebenen hilft das letztendlich herzlich wenig. Doch im Windschatten des Unglücks meldet sich plötzlich wieder eine zu Wort, die schön des Öfteren mit zweifelhaften Äußerungen wie etwa zur Rolle der Frau im dritten Reich, aufgefallen ist. In kruden Worten – einem fanatischem Christenprediger nicht unähnlich – spricht sie von Sodom und Gomorrha, zügellosem Sex, Drogen und Alkohol und macht neben der “heutigen Jugend” und ihren “verfallenen Sitten” die 68er-Generation für die Katastrophe verantwotlich. Ihre Andeutung, eine höhere Macht (Gott?) habe dem ungezügelten Treiben ein Ende gesetzt, lässt mich aufschreien und fragen: Oh Eva, warum bist Du bloß so auf den Kopp gefallen?
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Der Mai lieferte gleich drei Musterbeispiele medialer Tretminen, die sich eignen den so genannten „Streisand-Effekt“ – oder etwas platter ausgedrückt – einen ausgewachsenen „Shitstorm“ auszulösen. Unternehmen und Institutionen haben sich mit ihren Aktionen den Unmut im Web zugezogen und wurden netzgerecht abgestraft: Die Ralf Bohle GmbH, Inhaber der Reifenmarke Schwalbe, die einen eigenen Händler wegen nicht lizensierter Verwendung von Produktfotos abmahnte. Das Bistum Regensburg, das einen prominenten Blogger abmahnte, als dieser über einen anderen Blogger berichtete, der vom Bistum abgemahnt wurde. Und last but not least, Wolfgang Grupp, der Chef des Sportbekleidungsherstellers Trigema, der in einem Interview mit den Worten zitiert wurde, alle Twitter-User seien Idioten. Der Sturm der Entrüstung brachte Ralf Bohle und Trigema schnell dazu, öffentliche Statements abzugeben um die Wogen zu Glätten. Doch Trigema Chef Grupp trat gleich ins nächste Fettnäpfchen, als er sich in seinem offenen Brief an die „Social Media Gemeinde“ wandte. Das hört die „Gemeinde“ nämlich auch nicht immer gerne. Aber so wichtig man sich im Netz oft nimmt, meist sind die “webbasierten” Empörungswellen nur von kurzer Dauer. So schnell sie kommen, so schnell ebben sie auch wieder ab.
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Über die Abmahnpraxis der Diözese Regensburg
Kennen Sie noch “Das Leben des Brian“? Da gibt es so eine Szene, bei der ein Mann gesteinigt werden soll, weil er den lieben Gott beim Namen genannt hat. “Du lästertest Gott auf infame Weise und wirst somit zu Tode gesteinigt!”, wirft ihm sein Ankläger vor. Doch als der Mann erwidert, was denn so schlimm daran sei, wenn man “Jehova” sage, fliegen bereits die ersten Steine. Der Ankläger will die Meute beruhigen und ruft “Niemand hat hier einen Stein zu werfen, bevor ich in diese Pfeife geblasen habe – und selbst wenn vorher jemand ‘Jehova’ sagt.
Doch ab da ist kein Halten mehr, die Meute steinigt nun auch den Ankläger selbst. Ähnlich kommt mir das Verhalten der Diözese Regensburg vor. Sie wirft zwar nicht mit Steinen, dafür aber mit Abmahnungen. Und zwar zunächst auf diejengen, die über Mißbrauchsfälle in ihrem Verantwortungsbereich berichten und nun auch noch auf diejenigen, die über die diejenigen berichten, die wegen ihrer Berichte abgemahnt wurden.
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Katastrophen und Heldenstories verkaufen sich in der medialen Landschaft gut. Wenn es mit der Katastrophe nicht so ganz klappt, dann müssen eben die Stories mit Emotionen her. Helden und so. Wie nun bei dem mißlungenen Bombenanschlag auf dem New Yorker Times Square. Ein T-Shirt Verkäufer wird am Big Apple als Held gefeiert, da er die Behörden auf den Van mit der Autobombe aufmerksam machte. “New Yorker Verkäufter verhindert Anschlag” titelt die Nachrichtenagentur Reuters. Auch andere Medien sprechen seitdem landauf landab von einem “vereitelten Bombenanschlag”. Doch stimmt das überhaupt? Wenn etwas “vereitelt” wurde, dann setzt das eine aktive Verhinderung einer Tat durch eine Aktion voraus. Doch das Einzige was hier einen Blutbad in New York verhindert hat, war nicht die – sicherlich lobenswerte – Aufmerksamkeit eines Passanten, sondern das Schicksal selbst. Die Bombe war schlichtweg ein Blindgänger.
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Dynamic Parcel Distribution, früher auch mal als “Deutscher Paketdienst” bekannt, setzt bei dem Transport seiner Fracht nach eigenen Angaben stärker auf LKW statt Flugzeuge. Aus diesem Grund kann man sich jetzt wohl nach Informationen des Mediendienstes Kress auch den Seitenhieb auf die Konkurrenz erlauben, die dank des Vulkanausbruchs auf Island tagelang am Boden festgenagelt war. “Nichts dauert länger als Warten” heißt es da in einer nun frisch erstellten Marketingkampagne, die am Boden stehende DHL-Flugzeuge zeigt. Eyjafjallajökull machts möglich…

Stellen Sie sich mal folgendes vor: Es gäbe Menschen, die über das Telefon kostenlos Kinderpornos anbieten würden. Sie müssten nur im Telefonbuch nachschlagen und den richtigen Anbieter heraussuchen. Ein Anruf genügt um das Material zu erhalten. Und jetzt stellen Sie sich mal vor, jemand würde Ihnen sagen, das beste Mittel gegen solche Verbrecher wären neue Telefonbücher, in denen die Rufnummern dieser Anbieter geändert wurden und auf eine automatische Ansage leiten. Dort würde dann jedem Anrufer gesagt, dass hier früher verbotene Kinderpornos erhältlich waren und das so etwas verboten sei. Sie würden dieser Person wahrscheinlich für verrückt erklären.
Aber genau so funktionieren die Zugangssperren, die unsere Politiker in Deutschland 2009 noch als die geeignete Maßnahme im Kampf gegen Kinderpornografie im Internet angepriesen haben. Mittlerweile sind sie schlauer geworden und haben ihren Irrtum eingesehen (oder der Wahlkampf ist vorbei). Bei der EU in Brüssel scheint man von der Debatte leider nicht viel mitbekommen zu haben und so werden die Alten, längst überholten Ideen, wieder hervorgekramt und als geeignete Maßnahme im Kampf gegen Kinderpornografie angeführt. Aber auch einige Journalisten haben nichts gelernt:
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Spiegel Online schreibt heute von dem Ende der “ersten Schweinegrippewelle” und zitiert dabei das Robert-Koch-Institut, das einen Rückkang der Neuinfektionen von 33.000 auf 23.000 in den letzten zwei Wochen vermeldet. Natürlich solle das alles keine Entwarnung sein, es könne ja schließlich noch eine zweite Welle aufkommen.
Fazit: 66 Menschen seien in Deuschland bislang an H1N1 gestorben. Auf der anderen Seite gäbe es aber unter den rund 4 Millionen geimpften 15 Menschen, die gleich nach der Impfung gestorben sind. Ein Zusammenhang bestehe jedoch nicht, zitiert der Spiegel eine Sprecherin des Paul-Ehrlich-Instituts. Diese 15 hätten alle unter Vorerkrankungen gelitten. Ok, klingt soweit einleuchtend.
Komisch nur, dass die 66 anderen Opfer dennoch der Schweinegrippe zugeordnet werden. Von denen hatten laut Spiegel-Artikel auch die meisten “allerdings Vorerkrankungen”. Ja wie jetzt?
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