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App App App, ich kann dieses Wort schon nicht mehr hören. Für jeden Kram gibt es jetzt eine App. Wer hip sein will und irgendwie das große Geld schnuppert programmiert eine App. Klar, für so manche Anwendung kann die Verwendung einer App schon recht sinnvoll sein: Etwa bei der Flugbuchung, dem Navigieren mit Stadtplänen oder die aktuelle Wettervorhersage. Aber eine App um eine schlichte Nachrichtenseite zu lesen? Noch dazu kostenpflichtig und exklusiv für Endgeräte der Marke Apple, als gäbe es keine Alternativen am Markt? Wer sowas anbietet, zeigt nur eines: Kurzsichtigkeit und der hektische Versuch auf einen Marketingzug aufzuspringen, der schon längst den Bahnhof verlassen hat. Eine herkömmliche Webseite braucht keine App sondern ein vernünftiges Layout, das sich systemoffen mit jedem Smartphone oder Pad-Computer aufrufen lässt.
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…kommt vom angeblichen Nachrichtenmagazin “Der Spiegel” -zumindest seiner Onlineausgabe. Skandaaaaaaal möchte man schreien. Welch Frevel ist wieder in den USA passiert. Meine Güte, Sodom und Gomorrha! Da hat es die Schauspielerin Katherine Heigls, bekannt aus der US-Arztserie “Grey’s Anatomy” doch tagsächlich gewagt, nach einer etwas zu laut geratenen Poolparty mit ihrem Gatten der herbeigerufenen Polizei die Tür nur im Bikini bekleidet geöffnet zu haben. OGOTT. Ich bin entsetzt! Bikini! Ruft die Sittenpolizei! Führt die Scharia ein! Steinigt sie! Wie kann sie es wagen, in ihren eigenen vier Wänden nur im Bikini herumzulaufen. Vor allem wenn sie gerade aus dem Pool kommt. Ihr habt ja so recht, ein echter Bikini-Fauxpas! Meine Fresse, ist bei euch die Prüderitis ausgebrochen? Wascht euch die Augen mit Seife aus! Mal ehrlich lieber Spiegel, gehts noch? Müsst ihr für euren Onlineauftritt denn unbedingt das Boulevard-Gedöns von tmz.com abschreiben? Es ist ein Trauerspiel.
Hui, da haben wir aber ein Thema gefunden, bei dem man sich als Politiker jetzt vorzüglich als Verfechter der Privatsphäre profilieren kann: Ogott, mein Haus ist im Internet zu sehen? Skandal! Dass die gleichen Leute, die sich jetzt wie ein Rudel Robin Hoods so wehement für den Schutz der Privatsphäre des Bürgers einsetzen, gleichzeitig so Dinge wie Vorratsdatenspeicherung, biometrische Reisepässe, Nacktscanner am Flughafen oder das SWIFT-Abkommen zum Transfer der Kontobewegungen in die USA aussprechen – um nur einiges zu nennen - ist blanker Hohn! Auf der einen Seite können sie gar nicht genug Daten von uns bekommen, auf der anderen Seite führen sie mit Google Street View eine hervorragende Scheindebatte und geben sich als Hüter von Datenschutz und Privatsphäre aus. Hier mal ein paar Kostproben…
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Auf der Duisburger Loveparade sterben im Gedränge des einzigen Ein- und Ausgangs 19 Menschen, hunderte werden verletzt. Wer letztendlich Schuld an dem Unglück ist, wer bei der Planung oder Freigabe der Veranstaltung gepennt hat, all das wird in den nächsten Tagen und Wochen zu klären sein. Den Toten und Hinterbliebenen hilft das letztendlich herzlich wenig. Doch im Windschatten des Unglücks meldet sich plötzlich wieder eine zu Wort, die schön des Öfteren mit zweifelhaften Äußerungen wie etwa zur Rolle der Frau im dritten Reich, aufgefallen ist. In kruden Worten – einem fanatischem Christenprediger nicht unähnlich – spricht sie von Sodom und Gomorrha, zügellosem Sex, Drogen und Alkohol und macht neben der “heutigen Jugend” und ihren “verfallenen Sitten” die 68er-Generation für die Katastrophe verantwotlich. Ihre Andeutung, eine höhere Macht (Gott?) habe dem ungezügelten Treiben ein Ende gesetzt, lässt mich aufschreien und fragen: Oh Eva, warum bist Du bloß so auf den Kopp gefallen?
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Der Mai lieferte gleich drei Musterbeispiele medialer Tretminen, die sich eignen den so genannten „Streisand-Effekt“ – oder etwas platter ausgedrückt – einen ausgewachsenen „Shitstorm“ auszulösen. Unternehmen und Institutionen haben sich mit ihren Aktionen den Unmut im Web zugezogen und wurden netzgerecht abgestraft: Die Ralf Bohle GmbH, Inhaber der Reifenmarke Schwalbe, die einen eigenen Händler wegen nicht lizensierter Verwendung von Produktfotos abmahnte. Das Bistum Regensburg, das einen prominenten Blogger abmahnte, als dieser über einen anderen Blogger berichtete, der vom Bistum abgemahnt wurde. Und last but not least, Wolfgang Grupp, der Chef des Sportbekleidungsherstellers Trigema, der in einem Interview mit den Worten zitiert wurde, alle Twitter-User seien Idioten. Der Sturm der Entrüstung brachte Ralf Bohle und Trigema schnell dazu, öffentliche Statements abzugeben um die Wogen zu Glätten. Doch Trigema Chef Grupp trat gleich ins nächste Fettnäpfchen, als er sich in seinem offenen Brief an die „Social Media Gemeinde“ wandte. Das hört die „Gemeinde“ nämlich auch nicht immer gerne. Aber so wichtig man sich im Netz oft nimmt, meist sind die “webbasierten” Empörungswellen nur von kurzer Dauer. So schnell sie kommen, so schnell ebben sie auch wieder ab.
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Über die Abmahnpraxis der Diözese Regensburg
Kennen Sie noch “Das Leben des Brian“? Da gibt es so eine Szene, bei der ein Mann gesteinigt werden soll, weil er den lieben Gott beim Namen genannt hat. “Du lästertest Gott auf infame Weise und wirst somit zu Tode gesteinigt!”, wirft ihm sein Ankläger vor. Doch als der Mann erwidert, was denn so schlimm daran sei, wenn man “Jehova” sage, fliegen bereits die ersten Steine. Der Ankläger will die Meute beruhigen und ruft “Niemand hat hier einen Stein zu werfen, bevor ich in diese Pfeife geblasen habe – und selbst wenn vorher jemand ‘Jehova’ sagt.
Doch ab da ist kein Halten mehr, die Meute steinigt nun auch den Ankläger selbst. Ähnlich kommt mir das Verhalten der Diözese Regensburg vor. Sie wirft zwar nicht mit Steinen, dafür aber mit Abmahnungen. Und zwar zunächst auf diejengen, die über Mißbrauchsfälle in ihrem Verantwortungsbereich berichten und nun auch noch auf diejenigen, die über die diejenigen berichten, die wegen ihrer Berichte abgemahnt wurden.
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Katastrophen und Heldenstories verkaufen sich in der medialen Landschaft gut. Wenn es mit der Katastrophe nicht so ganz klappt, dann müssen eben die Stories mit Emotionen her. Helden und so. Wie nun bei dem mißlungenen Bombenanschlag auf dem New Yorker Times Square. Ein T-Shirt Verkäufer wird am Big Apple als Held gefeiert, da er die Behörden auf den Van mit der Autobombe aufmerksam machte. “New Yorker Verkäufter verhindert Anschlag” titelt die Nachrichtenagentur Reuters. Auch andere Medien sprechen seitdem landauf landab von einem “vereitelten Bombenanschlag”. Doch stimmt das überhaupt? Wenn etwas “vereitelt” wurde, dann setzt das eine aktive Verhinderung einer Tat durch eine Aktion voraus. Doch das Einzige was hier einen Blutbad in New York verhindert hat, war nicht die – sicherlich lobenswerte – Aufmerksamkeit eines Passanten, sondern das Schicksal selbst. Die Bombe war schlichtweg ein Blindgänger.
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