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Wer eine starke Lobby hat und wer nicht, lässt sich dieser Tage wieder hervorragend beobachten: Nach dem Amoklauf von Lörrach, bei dem eine Sportschützin drei Menschen getötet und weitere schwer verletzt hat, bemühen sich Polizei und Politik auffällig schnell Ruhe in eine neuerliche Verbotsdiskussion von so genannten “Sportwaffen” zu bringen. So zitiert Die ZEIT den CDU-Innenexperten Wolfgang Bosbach mit den Worten “Wegen einer solchen Tat kann man nicht Millionen von Sportlern die Ausübung ihres Sports verbieten.” Das leuchtet ein. Aber wäre er doch immer so konsequent…
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Ach herrjeh, darauf habe ich ja gewartet: Jugendliche vergreifen sich in einem Ferienlager sexuell an ihren noch jüngeren “Lagerkameraden” und es kommen wieder Politiker um die Ecke, die es sich einfach nicht verkneifen können, das Thema schamlos für ihre eigenen Politinteressen auszunutzen – Seitenhiebe gegen andere Parteien inbegriffen. Die bayerische Justizministerin Beate Merk schiebt den sexuellen Übergriff der Teenies doch jetzt tatsächlich dem nicht umgesetzten Internet-Kinderporno-Sperrschildchen-Gesetz in die Schuhe… und dem Koalitionspartner(!) FDP, der damals beim Sperrgesetz nicht so ganz mitziehen wollte.
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Die etwas andere “Presseschau”
Jungejunge, ich kann verstehen, warum manche Menschen lieber Big-Brother gucken als Nachrichten schauen. Nur ein einziger Tag mit Radio, Fernsehen, Zeitung und Internet kann einem ganz schön die Laune vermiesen. Kaum sitze ich im Auto auf dem Weg zur Arbeit höre ich schon von den 17.000 Stasi-Spitzeln die immer noch unbeschwert ihren Dienst bei Regierungsstellen und Polizei verrichten. Im Büro gehts gleich weiter: Aus dem Internet erfahre ich von einem Radiointerview mit Ursula von der Leyen. Sie ist ja nun nicht das erste Mal wegen kreativer Deutung von Statistiken in die Kritik geraten. Aber das scheint sie nicht davon abzuhalten, weiterhin “Dünnpfiff” zu verbreiten: Diesmal möchte sie den Hörern weismachen, Indien habe keine Gesetze gegen Kinderpornografie. Erst vor kurzem hatte sich die Geschäftsführerin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Dr. Martina Krogmann zu weit aus dem Fenster gelehnt, als sie auf der verzweifelten Suche nach einem Argument für Netzsperren suggerierte, in Kasachstan würde Kindesmissbrauch nicht strafrechtlich verfolgt. (Der kasachische Botschafter war da ganz anderer Meinung). Wer berät diese Leute eigentlich, etwa Borat?
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Gerüchte, Voyeurismus, Falschmeldungen und voreilige Schlüsse
Die Toten des Amoklaufs von Winnenden sind weder beerdigt noch annähernd genug betrauert, die Tat noch nicht in ihren Einzelheiten untersucht und der Schock dieser Katastrophe kaum 24 Stunden alt. Doch in den Medien machen bereits wieder die typischen Verdächtigungen die Runde. Man konnte die Uhr danach stellen, wie lange es nach dem Amoklauf dauern würde, bis die so allgemein wie undifferenziert benannten “Killerspiele” Erwähnung finden würden. Keiner kennt bislang die familiären und schulischen Hintergründe, keiner die persönlichen Lebensumstände des Täters, niemand kann bislang erahnen, was einen 17-jährigen zu solch einem Massaker treibt. Aber schon finden sich einfache Antworten auf einen komplexen Zusammenhang. “Amokläufer spielte Killerspiele am PC” liest es sich wieder allerorts. Das Killerspiel als Auslöser für eine solche Bluttat? Wie einfach kann man es sich doch machen. Und dann war da noch die Sache mit der Vorwarnung im Internet…
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Es weihnachtet wieder: Auf den Märkten fließt der Alkohol in Strömen, Autos schlittern auf eisglatten Straßen in die Gräben und im Fernsehen stehen wieder reihenweise brutalo Actionfilme auf dem Programm. Doch das wahre Übel wird auch in diesem Jahr wieder durch selbsternannte Experten medial verbreitet: Computerspiele. Gemeingefährliche Mordinstrumente, die aus Kindern kleine Amokläufer oder abhängige Schulversager machen. In diesem Jahr steht “World Of Warcraft” im Fadenkreuz. Süchtig mache es, Kinder würden gezwungen stundenlang vor dem Rechner zu hocken und mental zu verblöden. Ich wünschte mir wirklich, Eltern würden sich mehr mit dem “Spielzeug” ihrer Kinder auseinandersetzen. Erstens ist Eigenverantwortung immer besser als pauschale Verbote und zweitens würden sie dann auch den Käse bemerken, den jetzt wieder so mancher “Experte” verbreitet. weiter »
In der Diskussion um so genannte “Killerspiele” – ich nenne sie althergebracht lieber “Ballerspiele” – ist man mittlerweile ja so manch’ unreflektierte Äußerung aus gewissen politischen Kreisen gewohnt. Doch was ich heute in der FTD lesen musste, schmerzt wieder einmal besonders. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) kennt offensichtlich kein Halten mehr…
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Der Beitrag “Morden und Foltern als Freizeitspaß – Killerspiele im Internet” des NDR-Magazins “Panorama” hat in der vergangenen Woche wegen seiner überzogenen und falschen Berichterstattung im Internet für Unruhe gesorgt. So berichtete das Magazin über zwei verbreitete Computerspiele und scheute sich dabei nicht, dem unbedarften TV-Konsumenten Falschinformationen und zweifelhafte Internet-Experten vorzuführen. Das Online-Magazin Telepolis berichtet nun ausführlich über die Zusammenhänge zwischen dem verantwortlichen Panorama-Redakteur, einem immer wieder in dem Magazin zitierten “Sicherheitsexperten”, dessen Internetfirma und derer wirtschaftlicher und politischer Interessen.
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Ja was denn nun? Im November fragt BILD noch “Machen solche Spiele Kinder zu Killern?” und jetzt wünscht sich das Hamburger Boulevardblatt einen verregneten Sommer, weil wieder neue “Geniestreiche der Game Macher” auf den Markt kommen. Darunter auch die, wenns der Themenlage gerecht wird, sonst so verteufelten Ballerspiele wie “Unreal Tournament” oder mit “Crisis” ein Nachfolger des nicht für jugendliche freigegebenen Action-Shooters “Far Cry“.
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