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Der Mai lieferte gleich drei Musterbeispiele medialer Tretminen, die sich eignen den so genannten „Streisand-Effekt“ – oder etwas platter ausgedrückt – einen ausgewachsenen „Shitstorm“ auszulösen. Unternehmen und Institutionen haben sich mit ihren Aktionen den Unmut im Web zugezogen und wurden netzgerecht abgestraft: Die Ralf Bohle GmbH, Inhaber der Reifenmarke Schwalbe, die einen eigenen Händler wegen nicht lizensierter Verwendung von Produktfotos abmahnte. Das Bistum Regensburg, das einen prominenten Blogger abmahnte, als dieser über einen anderen Blogger berichtete, der vom Bistum abgemahnt wurde. Und last but not least, Wolfgang Grupp, der Chef des Sportbekleidungsherstellers Trigema, der in einem Interview mit den Worten zitiert wurde, alle Twitter-User seien Idioten. Der Sturm der Entrüstung brachte Ralf Bohle und Trigema schnell dazu, öffentliche Statements abzugeben um die Wogen zu Glätten. Doch Trigema Chef Grupp trat gleich ins nächste Fettnäpfchen, als er sich in seinem offenen Brief an die „Social Media Gemeinde“ wandte. Das hört die „Gemeinde“ nämlich auch nicht immer gerne. Aber so wichtig man sich im Netz oft nimmt, meist sind die “webbasierten” Empörungswellen nur von kurzer Dauer. So schnell sie kommen, so schnell ebben sie auch wieder ab.
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Obama konnte es, bei anderen wirkt es hilfos: In der Politik glaubt man offensichtlich, ich brauche nur im “Web 2.0″ mitzumischen und bin automatisch “hip”. Leider ist die wahre Intention, warum plötzlich alle Welt meint, ein Profil bei Facebook & Co. haben zu müssen, allzuoft durchschaubar. Es ist nicht unbedingt förderlich, zu offensichtlich als “Online-Rampensau” aufzutreten, wenn schnell erkennbar ist, dass man gar nicht an einer nachhaltigen und gegenseitigen Kommunikation in diesen Netzwerken interessiert ist, sondern nur modern erscheinen will.
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Zum ersten Todestag von Joseph Weizenbaum
Kennen Sie “Eliza”? Eliza hört zu, stellt Fragen, gibt Ratschläge. Eliza ist aber keine Frau. Sie ist nichtmal ein Mensch. Sie ist ein Computerprogramm. Sie ist DAS Computerprogram. Ein Programm, das dem Anwender über einen gewissen Zeitraum künstliche Intelligenz vorgaukelt, aber in Wahrheit überhaupt nicht intelligent ist. Eliza ist das Produkt von Prof. Dr. Joseph Weizenbaum, Professor am M.I.T. ,Informatiker, Gesellschaftskritiker. Für mich der “Albert Einstein” des Computerzeitalters. Er war Genie, Tüftler und Entwickler aber zugleich ein großer Kritiker der Informationstechnologie. Berühmt wurde er 1972 in Deutschland mit einem Artikel in der Zeit: “Albtraum Computer“. Am 5. März 2008 ist Joseph Weizenbaum im Alter vom 85 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben. Vor 13 Jahren hatte ich die Gelegenheit, ihn bei einer Talkrunde auf der CeBIT Home persönlich kennen zu lernen…
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Immer die alte Leier: Eine Social-Networking Plattform wird erfolgreich, dann sucht man händeringend nach einem Geschäftsmodell, ändert die Geschäftsbedingungen und verscherzt es sich prompt mit seinen Usern. Als die deutsche Plattform StudiVZ im vergangenen Jahr seine AGB dahingehend änderte, dass die Nutzer weitreichende Datenweitergabe befürchten mussten, änderten viele daraufhin ihren Realnamen in fiktive Bezeichnungen, so genannte Nicknames. Der Sinn und Zweck von StudiVZ, sich über diese Plattform mit anderen Studienfreunden zu vernetzen, geriet damit in Gefahr: Unter Phantasienamen findet man sich kaum noch. Jetzt hat es auch die wohl weltweit am meisten verbreitete Plattform “Facebook” geschafft, sich mit seinen Nutzern anzulegen. So wurden die Geschäftsbedingungen dahingehend geändert, dass die User alle ihre Inhalte, also Texte, Bilder und Videos rechtlich an Facebook abtreten sollten, sobald sie diesen in ihre Profile luden. Eine Protestwelle schwappte auf, die Massenflucht von Facebook folgte, heute rudert Facebook Chef Mark Zuckerberg zurück. Bis auf weiteres gelten wieder die alten Geschäftsbedingungen.
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Himmel wirf Hirn vom Himmel. Man hat aus dem Platzen der Dotcom-Blase um die Jahrtausendwende nicht gelernt. Kaum hat sich die Netzgemeinde vom werbeverseuchten “Web 1.0″ in ihr besser organisiertes “Web 2.0″ geflüchtet, meint die versammelte Marketingmischpoke auch hier, das Füllhorn entdeckt zu haben. Der letzte Schrei ist “adical“, das nun auch den Berufsbloggern durch Bannerschaltung Werbeeinahmen verspricht. Welche Ausmaße dies annehmen wird, bleibt abzuwarten. Doch es kommt noch schlimmer: Für die Businesskasper der Welt ist “Second Life” derzeit DIE Zukunft. Prompt faselt man schon vom Web 3.0.
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