Projekt HTPC: Alter Computer in neuem Gewand

Home Theater PC (HTPC)Was tun, wenn seit Monaten im Abstellraum ein Rechner verstaubt, weil einfach kein Platz mehr am Schreibtisch ist? Dabei sind seine Innereien viel zu schade, um dort achtlos zu vergammeln. Wie wäre es mit einem Computer fürs Wohnzimmer? Ein neues Gehäuse, ein wenig zusammengesucht was noch herumliegt, fertig ist der Home Theater PC – kurz HTPC – für kleines Geld.

In einem unscheinbaren Karton lag er herum. Monatelang. Ein leicht betagter, aber mit rund 1,5 GHz Taktfrequenz und satten 240 Gigabyte Speicherplatz doch recht ansehnlicher Rechner. Ein Athlon 1800+, 40 Gigabyte Systemplatte und 2×120 Gigabyte Festplatten als Datencontainer. Allerdings in einem recht unhandlichen und nicht unbedingt wohnzimmertauglichen Servergehäuse: Diese grauen großen Dinger, die sonst in abschließbaren 2-Meter-Schränken mit Glastür als Arbeitstiere in Rechenzentren ihr Dasein fristen. Zeit die Kiste aus ihrem Winterschlaf zu holen.

Home Theater PC, was ist das? Kurz gesagt, ein PC fürs Wohnzimmer. Angeschlossen am Fernseher, bedienbar über eine einfache, aber bunte Menüoberfläche per Fernbedienung. Vorne ein Statusdisplay für die wichtigsten Informationen wie die Uhrzeit Zeit, gerade laufende Musik- oder Filmtitel.

Das Ding sollte nicht zu teuer werden. Vorraussetzung sollte sein, bis auf das Gehäuse ohne neue Hardware auszukommen. Eine interne TV-Karte zum Empfang digitaler Kabelkanäle lag auch noch herum, die eingebaute Grafikkarte besitzt Cinch- und S-Video Ausgänge zum Anschluss an ein Fernsehgerät. Bestens.

Thermaltake 'Bach' - Platz für Ideen

Auf der Suche nach einem geeigneten Gehäuse für den multimedialen Alleskönner stieß ich bei Thermaltake auf ein recht ansehnliches Ding. Unter den Namen „Mozart“ und „Bach“ vertreibt das Unternehmen zwei schicke PC-Gehäuse für das HiFi-Regal. Letztendlich entschied ich mich für die Version „Bach“. Kostenpunkt knapp 90 Euro ohne Netzteil und Display.

MediaLab von Soundgraph, passend zum Thermaltake-Gehäuse Links und rechts noch spacig durch blaue LEDs beleuchtet. Fehlt eigentlich nur noch die Fernbedienung und das Display. Passend dazu liefert Thermaltake auch noch die „MediaLab“ genannte Display-Fernbedienung-Kombination von Soundgraph samt Software dazu. Nochmal 90 Euro. Nun ist es aber genug.

Auf den ersten Blick ist das Thermaltake-Gehäuse recht geräumig. Es bietet Platz zum Anschluss dreier Laufwerke im 5,25″ Format. Hier finden DVD- und CD-ROM Laufwerke ihren Platz. Intern ist theoretisch Platz für vier Festplatten. Theoretisch. Denn aufgrund der Verkabelung und Hitzeentwicklung sind 3 Platten wohl das absolute Maximum. Im Gehäuse finden Mainboards im ATX- oder Mini-ATX-Format Platz.

Aber zunächst zur Stromversorgung: Das Netzteil aus dem Servergehäuse war noch gut zu gebrauchen. Markenware von „Enermax“. Von außen durch ein Poti in seiner Geschwindigkeit zu regeln. Wird’s zu heiß, dreht man auf. Reicht ein laues Lüftchen, wird runtergedreht. Das schont die Ohren. Damit es nicht zu laut wird, wird das Netzteil über einen Silikonrahmen für knapp drei Euro am Gehäuse verschraubt. Das fängt die Vibrationen und vermeidet zusätzliche Geräusche durch das Gehäuse als Resonanzkörper.

Netzeil mit Silikonrahmen verhindert Vibrationen

Als nächstes kam das Mainboard an die Reihe. Und da wurde mir klar, das Standard-ATX nicht wirklich die beste Lösung für das Gehäuse ist. Zwar passt alles, aber es wird doch recht eng´. Vor allem die Verkabelung bereitet noch sorgen. Schließlich müssen noch Festplatten und Laufwerke ihren Platz finden und verkabelt werden. Das MediaLab VFD-Display ist im Lieferumfang in einem 5,25 Rahmen montiert. Wer ein Gehäuse ohne bereits vorbereitetes Fenster hat, kann es auch direkt in einen Standard Laufwerksschacht montieren.

Das nackte Display

In meinem Fall war der Rahmen überflüssig und nur das Display wurde in der Front verschraubt. Die sehr gute Anleitung macht die auf den ersten Blick recht kompliziert anmutende Verdrahtung zu einer Minutensache. Dennoch sollte man das Handbuch fürs Mainboard griffbereit halten. Schließlich müssen die Stecker für Power- und Resetschalter sowie für die LEDs und das Display korrekt angeschlossen werden.

Langsam wirds eng hier drin

Ein wenig fummelig wurde es schon. Nachdem zwei DVD-Laufwerke und alle Festplatten, in meinem Fall derer drei, eingebaut waren, hätte auch nichts weiteres mehr hineingepasst. Die TV Karte erwies sich als so lang, dass ihr Steckplatz mit Bedacht gewählt werden musste, um nicht an den Festplatten zu schrammen.

Erster Testlauf und installation der Software

Wichtig ist auch, dass über dem Mainboard selbst genug Platz für die Luftzirkulation bleibt. Ein Strömungsweg von vorne nach hinten muss erhalten bleiben, sonst stirbt der PC den schnellen Hitzetod.

Nach einem langen Abend war es dann soweit. Der HTPC war fertig. Äußerlich zumindest. Die Konfiguration der Software erfolgte an weiteren Abenden. Windows XP als Grundlage, die vom MediaLab beigefügte Mediacenter-Software zur Verwaltung der künftig gespeicherten Musik- und Filmmedien.

Fertig. Ein erster Testlauf. Die Fettfinger von der Front kommen auch noch weg.

Einige Hürden ließen jedoch nicht auf sich warten: Die meisten Media-Center Programme vertragen sich zur Zeit noch nicht mit digitalen TV-Karten. Hier muss auf die Software des Kartenherstellers zurückgegriffen werden. Die kann zwar auch aus dem Mediacenter heraus aufgerufen werden, lässt sich dann aber nicht ohne große Umprogrammierung über die Fernbedienung steuern.

Ein weiteres Problem war das Abspielen von Original-DVDs: Der Ausgang der Grafikkarte sollte direkt an einen Fernseher angeschlossen sein. Wird das Bildsignal zunächst über den Videorekorder geschleift und von dort zum Fernseher, greift bei vielen DVDs der analoge Macrovision Kopierschutz. Das äußert sich beim Abspielen eines Films durch starke Helligkeitsschwankungen des Bildes. Damit soll das Kopieren auf einen Videorecorder verhindert werden. Legal Abhilfe schafft hier nur der direkte Anschluss der Grafikkarte an ein Fernsehgerät.

Das Servergehäuse steht nun bei eBay zum Verkauf. Der Computer hat endlich seinen Platz im Wohnzimmer gefunden. Mit Flüssigkeitskühlung wäre er zwar noch leiser, aber ich bezweifle, dass das noch hineingepasst hätte. Da wäre der Preis von bislang knapp 180 Euro für Gehäuse und Display dann auf das Doppelte angestiegen. Irgenwann muss man halt Kompromisse eingehen.

3 Kommentare

  1. Hallo.

    Ich habe mir ein „Bach“ ohne Netzteil und Display bestellt. Bei dem Display und auch der FB kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie es angesteuert wird. Ich finde auch nix darüber im Netz :-( Du schreibst: „Die sehr gute Anleitung macht die auf den ersten Blick recht kompliziert anmutende Verdrahtung zu einer Minutensache. Dennoch sollte man das Handbuch fürs Mainboard griffbereit halten. Schließlich müssen die Stecker für Power- und Resetschalter sowie für die LEDs und das Display korrekt angeschlossen werden.“. Kannst Du mir diese Anleitung vielleicht mal zur Verfügung stellen?? Super lieben Dank schon mal. Gruß Lars

  2. Hi!
    Mich interessieren noch ein paar Fragen:

    1. Wie groß ist das Display (ich denke mal das nachgekaufte und das in der „with Media Lab“-Version ist das gleiche) ???

    2. Kann ich die Fernbedienung auch für das Media Center von XP oder Vista verwenden ???

    Vielen Dank!!!

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