Politik meets Web 2.0: Die

Obama konnte es, bei anderen wirkt es hilfos: In der Politik glaubt man offensichtlich, ich brauche nur im „Web 2.0“ mitzumischen und bin automatisch „hip“. Leider ist die wahre Intention, warum plötzlich alle Welt meint, ein Profil bei Facebook & Co. haben zu müssen, allzuoft durchschaubar. Es ist nicht unbedingt förderlich, zu offensichtlich als „Online-Rampensau“ aufzutreten, wenn schnell erkennbar ist, dass man gar nicht an einer nachhaltigen und gegenseitigen Kommunikation in diesen Netzwerken interessiert ist, sondern nur modern erscheinen will.

Diesen Eindruck habe ich beispielsweise auch bei der Bundesdrogenbeauftragten Sabine Bätzing. Eine wahre Omnipräsenz im Web. Sogar auf StudiVZ treibt sie sich rum, dabei hat sie laut eigenem Lebenslauf doch gar nicht studiert. Wäre sie bei MeinVZ nicht besser aufgehoben? Achso, dort ist sie ja auch schon. Fehlt nur noch SchülerVZ. Aber halt, die dürfen ja gar noch gar nicht wählen und sind sowieso alles Komasäufer, die brauchen erstmal vernünftigen Unterricht. Aber Sabine Bätzing sieht das nicht so eng mit der Themenorientierung:

Ich seh‘ das ein bisschen lockerer. Natürlich will ich auch im Internet präsent sein und besonders für junge Leute, denn die sind mir sehr wichtig (…so gaaanz alt bin ich ja auch noch nicht!). Aber ich will eben nicht nur präsent, sondern auch erreichbar sein…

…heisst es jugendlich „hip“ auf StudiVZ und MeinVZ. Aber ansonsten ist dort nicht viel los. Die sonst übliche „Pinnwand“ ist deaktiviert, so dass es anderen Nutzern gar nicht möglich ist, eine öffentliche Nachricht zu hinterlassen. Ist vielleicht auch besser so. Und während sie in ihrem Blog, Kommentare sind hier ebenfalls nicht  möglich, noch bis Anfang Juli alle Besucher mit „Liebe Genossinnen und Genossen“ anspricht, besinnt sie sich plötzlich eines besseren und versucht es am 10. Juli erstmals mit „Liebe Leserinnen und Leser“. Wer hat ihr gesteckt, dass auch Nicht-SPDler mal vorbeisurfen könnten? Leider wirkt der Eintrag dann auch noch verwirrend:

wenn ihr „Sabines Woche“ abonniert habt (auf www.sabine-baetzing.de), haltet ihr heute die erste Ausgabe von „Sabines Wahlkampfwoche“ in den Händen…

Wie? Was? Sabines Woche? Was halte ich in den Händen? Ich bin im Internet, das einzige was ich halten kann ist mein Laptop. Ist „Sabines Woche“ etwa eine Zeitung aus feingeschreddertem Holz, im Fachjargon Papier genannt? Sie verweist vom Blog auf ihre Homepage. Dummerweise nicht verlinkt, so muss ich den Kram erst eigenhändig kopieren. Warum heisst das „Web“ eigentlich „Web“? Kommt von Netz, vernetzen, verlinken und so. Das war im Web 1.0 schon usus und ist es im Web 2.0 erst recht. Aber gut… Gegen Online-Spiele aber eigenes Handygame Endlich auf der Homepage angekommen, fängt die Sucherei nach der im Blog erwähnten „Sabines Woche“ an. Als erstes fällt mein Blick jedoch auf das  „Gratis Handygame“. Wie? Die Bundesdrogenbeauftragte, die gerade noch ein Verbot von Onlinespielen für Jugendliche fordert, hat auf ihrer Homepage nichts besseres zu tun, als zuerst ein Handygame anzupreisen? Ganz nebenbei bemerkt ist es auch noch ziemlich mies programmiert. Buttons sind nicht klickbar, wenn man nicht wirklich den Buchstaben trifft, die Steuerung reagiert eigenwillig und überhaupt: WAS SOLL DAS?

Gegen Onlinespiele sein, aber Handygames verbreiten wollen...

Gegen Onlinespiele sein, aber Handygames verbreiten wollen... Bild: Screenshot Homepage

Irgendwann hab ichs dann gefunden: Unter „Bürgerservice -> Newsletter“. Bürgerservice? Das klingt aber plözlich gar nicht mehr so „hip“, sondern eher wie auf’m Amt. Um einen E-Mail Newsletter gehts also. Aber in der Hand halten kann ich das Ding immer noch nicht, der kommt doch per Mail. Und ganz ehrlich, warum so kompliziert? Sie bloggt, warum also zusätzlich einen Newsletter per Mail verschicken? Dafür gibts schließlich RSS-Feeds. Da erhalte ich jede neue Nachricht sofort wie eine Mail in meinem Newsreader oder E-Mail Client. Aber RSS-Feeds bietet das Blog von Frau Bätzing ebenfalls nicht. Nungut, sie möchte wohl ein breites Spektrum abdecken. Es gibt schließlich auch echte Oldschool-Websurfer, die lieber Newsletter kriegen. Wer noch“oldschooliger“ ist, druckt sich sowas vielleicht auch aus damit man das Ding endlich in den Händen halten kann https://www.kredite-vergleich.net/die-kredite/renovierungskredit.

 

Justizministerin Brigitte Zypries scheint etwas mehr Sensibilität zu besitzen, ihr Profil findet man neben Facebook und wer-kennt-wen nur noch auf MeinVZ. Dort erfährt der geneigte Leser dann auch wenigstens etwas aus ihrem Lebenslauf, was Frau Bätzing nur auf ihrer Homepage verrät. Zu Erinnerung: Es geht den Mitgliedern der so genannten sozialen Netzwerke in erster Linie darum, sich mit Freunden zu vernetzen, soziale Kontakte auch über größere Distanz zu pflegen oder andere Teilnehmer mit gemeinsamen Interessensgebieten zu finden. Gegenseitige Kommunikation, Erfahrungsaustausch oder einfach nur die Unterhaltung.  Dabei haben die unterschiedlichen Angebote durchaus unterschiedliche Zielgruppen: Während sich SchülerVZ an Schüler und StudiVZ an Studierende richtet, ist der Ableger MeinVZ für all diejenigen gedacht, die nicht zu den erstgenannten Gruppen passen. Bei Xing treffen sich vornehmlich businessorientierte „Networker“ und beim Urgestein Facebook ist alles etwas internationaler. Und dann war da noch Twitter… Eins muss man ihr lassen: Frau B. twittert und das nicht zu knapp. Ihr aktueller Eintrag: „Hab mich gerade für 1 Jahr klimaneutral erklärt…“ Wow, ob sie jetzt wirklich ein Jahr die Luft anhält?

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