Klimawandel ist schon praktisch…

.. denn alle miseren der Welt kann man heutzutage dem Klimawandel in die Schuhe schieben. Wenn es regnet und die Flüsse über die Ufer treten, dann sind nicht etwa Begradigungen und der ungezügelte Zubau der Flussauen schuld, nein, dann war es der Klimawandel.

Und auch die Deutsche Bahn AG hat jetzt den Klimawandel als Schuldigen für ihr Hitzeproblem in den einstigen Prestige-Schnellzügen ausgemacht. Weil die Klimaanlagen ab 32 Grad ihren Dienst quittieren ist wohl der Klimawandel schuld. So heisst es, die ICE der 1. und 2. Generation seien in den 80er und 90er Jahren entwickelt worden. Man habe damals noch nicht mit so hohen sommerlichen Temperaturen rechnen können (siehe auch FTD: Bahn gibt Klimawandel Schuld am ICE-Hitzechaos).

Ja nee, is klar. Wäre ja auch zu schön, wenn man das Versagen der Technik auf die rigorose Sparpolitik und die Personalreduzierung im Rahmen des ursprünglich mal geplanten Börsenganges zurückführen könnte.

In den siebziger Jahren, als alle Welt noch vor einer neuen Eiszeit warnte, da hatte die Bahn noch mit ganz anderen Problemen als Klimaanlagen zu kämpfen: Der damalige „Jahrhundertsommer“ war so heiß, dass sich die Gleise verbogen und auf einigen Strecken nur noch maximal 50 km/h gefahren werden durfte. Und auch sonst war es damals schon ungemütlich heiß in Deutschland, wie der SPIEGEL am 5. Juli 1976 berichtete.

Helfen wir der Bahn also nochmal auf die Sprünge, wie das damals mit den Sommern in Deutschland so war…

…und was wir da für Hitzewellen hatten
Pulloverfabrikanten gingen ein.
Da gab es bis zu 40 Grad im Schatten.
Wir mussten mit dem Wasser sparsam sein…

Rudi Carell, 1975 in „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer

One Comment

  1. Es ist von Journalisten- und Politiker-Seite ja so schön einfach, auf die Deutsche Bahn einzudreschen…

    1. Betrifft der auffällig häufige Ausfall der Klimaanlagen nur die ICE-2-Züge. Diese sind damals nach den (von der Politik als Regelwerk gesetzten) Normen gebaut worden und da war nur bis max. 32 Grad vorgesehen. Hätte die Bahn damals teurere Klimaanlagen eingebaut, wäre der Aufschrei Richtung „Steuerverschwendung“ gegangen.

    2. Insgesamt betrifft das Problem wirklich nur einige wenige Züge, wenn man die Transportleistung der DB und deren Mitbewerber in Deutschland betrachtet. Das entschuldigt natürlich keinesfalls das massive Fehlverhalten des Personals und auch nicht die nicht ausreichende „Wiedergutmachtung“ der DBAG. Aber von diesen technischen Ausfällen auf das gesamte „System Bahn“ zu schließen ist einfach falsch.

    3. Auch anderen Bahnen – und ja auch die älteren TGV-Modelle insbesondere der TGV-Ableger Eurostar – sind nach alten Normen gebaut und haben vergleichbare Probleme – im Sommer wie im Winter.

    4. Plötzlich schauen alle Journalisten, ja suchen geradezu danach, auf ausfallende Klimaanlagen in Zügen – insbesondere von Siemens. Ja, auch in einem ÖBB-Railjet fällt mal die Klimaanlage aus. Aber das kann vorkommen und kam auch wahrscheinlich schonmal im März vor, aber da hat es niemanden interessiert. Und dass der (Siemens-) ICE-Velaro S in der spaninschen Hitze nahezu reibungslos fährt, darüber berichtet keiner…

    5. Und die aus dem Archiv blitzschnell produzierten Vergleichen in Zeitungen und Online-Medien zwischen den europäischen Hochgeschwindigkeitszügen sind schlechthin ein Witz! Da werden alle Renfe-Züge in Spanien in einen Topf geworfen, obwohl dort sowohl unter der Marke AVE Modelle von Siemens (ICE), Alstom (TGV) und Bombardier fahren. Ähnliches gilt natürlich auch für China. Nationale Vergleiche bringen eh nichts, da die Züge ja nicht von Spanien oder China hergestellt werden, sondern beispielsweise vom kanadischen Bombardier-Konzert in Werken in Deutschland…!

    6. Das Tollste ist natürlich das Neuste: Politiker und selbst die Verbraucherschutzministerin Aigner fordern nun für den ICE (welchen denn? auf welchen Strecken, Verbindungen und Relationen fährt welcher Typ?) den Verzicht auf den ICE-Zuschlag, wenn die Klimaanlage ausfällt. „ICE-Zuschlag“…? – Daran sieht man mehr als peinlich deutlich, dass die Damen und Herren des Bundestages wohl lieber Fliegen und wenn sie Bahn fahren auf Grund ihres Freifahrtscheins vom Tarifsystems keine Ahnung haben… Aber leider die Journalisten, die das einfach drucken wohl auch nicht… .-((

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