
Die Scammer werden immer professioneller. Tippfehler wie in diesem KI Bild von ChatGPT leisten sie sich nicht mehr.
- Fake-Kanzleien im Netz: Betrüger geben sich per E-Mail als Rechtsanwälte und Insolvenzverwalter aus und bieten Waren aus angeblicher Insolvenzmasse zu Schnäppchenpreisen an – nach der Überweisung bleibt die Lieferung aus und die Website verschwindet.
- So erkennen Sie den Betrug: Abweichende E-Mail-Domains, frisch registrierte Websites und die Forderung nach Vorkasse sind klare Warnsignale – echte Insolvenzverwalter werben niemals per Massen-E-Mail mit dem Verkauf von Insolvenzmasse.
- Reingefallen? Dann sofort handeln: Wenn frisch und nicht in „Echtzeit“ überwiesen: Bank kontaktieren und Überweisungsrückruf beantragen. Strafanzeige bei der Polizei erstatten und die zuständige Rechtsanwaltskammer informieren – die Bundesrechtsanwaltskammer warnt aktiv vor dieser Masche und führt Listen bekannter Fake-Kanzleien.
Anfang März landet eine E-Mail in meinem Postfach. Absender: „Sumelka Rechtsanwälte“, Königsallee 92a, Düsseldorf. Ein Rechtsanwaltsassistent namens Thomas Berger schreibt, dass im Rahmen mehrerer laufender Insolvenzverfahren gerade Diesel-Kraftstoff zu 50 bis 75 Prozent unter Marktwert zu haben sei. Außerdem: IT-Hardware, Monitore, Fahrzeuge, Maschinen, Textilien. Der Anhang enthält einen sauber formatierten Katalog. Die E-Mail-Signatur hat einen vollständigen DSGVO-Datenschutzhinweis. Selbst eine Webseite gibt es. Alles wirkt seriös.
Dennoch, die Sache stinkt zum Himmel, aber nur wenn man genauer hinsieht. An der Anschrift mag man es nicht sofort erkennen. Die Königsallee 92a ist Anschrift für verschiedene Büros und Geschäfte. Wer auf Google Maps nachschaut, findet sogar einen Notar und eine Unternehmensberatung. Auch die mittlerweile gelöschte Webseite wirkte hoch professionell.
Aber: Die Absenderadresse der E-Mail endet auf @sumelka-rae.net. Die in der Signatur verlinkte Webseite aber auf sumelka-rae.com. Hier stimmt etwas nicht. Ich überprüfe die Domains und stelle fest, dass beide erst im Januar 2026 bei einem US-Registrar aus Arizona, der für besonders günstige Domainpreise bekannt ist, registriert worden sind.

Eine kurzlebige Wegwerfdomain soll den Betrug perfektionieren. Screenshot: WebCheck
Nagut, schauen wir mal was passiert. Ich melde Interesse an einem in der beigefügten PDF Datei aufgelisteten Artikel.
Was folgt, ist ein Paradebeispiel einer Betrugsmasche, die schon seit längerem bundesweit Unternehmen und Privatpersonen schadet und vor der inzwischen die Bundesrechtsanwaltskammer, mehrere regionale Rechtsanwaltskammern, die Polizei und betroffene Kanzleien selbst warnen.
Wie der Scam läuft
Das Muster ist immer dasselbe: Eine professionell wirkende E-Mail einer angeblichen Rechtsanwaltskanzlei landet unaufgefordert im Postfach. Angeboten werden Waren aus laufenden Insolvenzverfahren, zu Preisen weit unter Marktwert. Die Betrüger kontaktieren gezielt Unternehmen per E-Mail und bieten ihnen Lagerbestände zu besonders günstigen Preisen an. Kommt man ins Geschäft, verlangen sie Vorkasse, aber eine Lieferung findet nicht statt, da die angebotenen Güter gar nicht existieren.
Das Warensortiment ist dabei breit gestreut: Getränke, Fahrräder, Solarmodule, Europaletten, Reinigungsmaschinen oder eben, wie in meinem Fall, Kraftstoff und IT-Hardware.
In meinem Mailwechsel mit „Sumelka Rechtsanwälte“ frage ich nach einem einzelnen Lenovo-Monitor. Ich bekomme prompt eine Antwort von Thomas Berger, freundlich, verbindlich. Obwohl ich nach Abholung des Gerätes im Raum Düsseldorf frage, bietet man mir den kostenfreien Versand. Na Prima. Als ich zustimme und nach der erwähnten Schlussrechnung frage, kommt nichts mehr. Der Kontakt bricht ab. Die Website, auf die in der E-Mail verlinkt wurde, ist wenig später offline.
Vermutlich waren die 149 Euro dann doch ein „zu kleiner Fisch“.
Täuschend echt: gestohlene Identitäten, geklonte Websites
Was diese Masche so gefährlich macht, ist der Aufwand, den die Täter betreiben. Zum Einsatz kommen professionell gestaltete und authentisch wirkende E-Mails und Websites. Die Absender stellen sich oft als Insolvenzverwalter dar. Dabei werden auch gefälschte Gerichtsbeschlüsse über angeblich eröffnete Insolvenzverfahren beigefügt, bei denen die realen Namen und Adressdaten nur leicht abgewandelt sind.
Besonders raffiniert: Viele Details der E-Mails sind überprüfbar. Manchmal existiert sogar der genannte Anwalt, und auch das Insolvenzverfahren ist möglicherweise echt. Doch die Absender nutzen gefälschte Kontaktdaten, um das Geld auf ihre Konten umzuleiten. In einem dokumentierten Fall wurden sogar die Umsatzsteuer-ID-Nummer und die alte Kanzleiadresse eines echten Kölner Anwalts kopiert. Der Mann war Opfer eines Identitätsdiebstahls und hatte nie als Insolvenzverwalter gearbeitet.
Manchmal werden komplett erfundene Identitäten verwendet, manchmal aber auch die Namen tatsächlich existierender Berufsträger, jedoch mit abweichenden Kontaktdaten und falschen Webseiten. Die Handwerkskammer Freiburg listet in ihrer Warnung allein ein gutes Dutzend solcher Fake-Kanzleinamen auf, die in den vergangenen Monaten aufgetaucht sind, darunter Namen wie „Peters Rechtsanwälte Stuttgart“ oder „Riedel RA Frankfurt am Main“. Manche dieser Webseiten sind bereits nicht mehr erreichbar, was ein weiteres Indiz für ein betrügerisches Angebot ist.
Woran erkenne ich den Betrug? Die Checkliste
Ein paar konkrete Prüfschritte, die im Zweifelsfall viel Ärger ersparen:
1. Anwaltsverzeichnis prüfen. Die Bundesrechtsanwaltskammer weist auf das Bundesweite Amtliche Anwaltsverzeichnis hin, in dem sich tagesaktuell überprüfen lässt, ob eine Rechtsanwältin oder ein Rechtsanwalt zur Anwaltschaft zugelassen ist und in welcher Kanzlei er oder sie tätig ist. Aber Vorsicht: Wird die Identität eines echten Anwalts gestohlen, ist auch diese Überprüfung unzureichend.
2. Bankverbindung unter die Lupe nehmen. Schauen Sie sich den Business Identifier Code (BIC) an. Bei bekannten Fällen führte die BIC zu einer Bank in Südafrika.
3. Website-Alter prüfen. Mit der Wayback Machine lässt sich nachvollziehen, wann eine Seite erstmals online ging. Eine Kanzlei mit Gründungsjahr 1998 und Website von letzter Woche sollte zu denken geben. In meinem Fall war die Webseite allerdings so frisch, dass sie noch nicht im Internet Archiv gelistet war.
4. Absender-Domain genau lesen. Weicht die Domain der Absenderadresse von der Domain in der Signatur oder auf der verlinkten Website ab, ist das ein deutliches Warnsignal. Betrüger rotieren ihre Domains regelmäßig.
5. Das Grundprinzip: Rechtsanwälte und Insolvenzverwalter versenden in der Regel gar keine E-Mails, in denen sie mit dem Verkauf von Insolvenzmasse werben. Wer eine solche E-Mail unaufgefordert erhält, kann davon ausgehen, dass etwas nicht stimmt.
Was tun, wenn man schon überwiesen hat?
Wer bereits Geld überwiesen hat, sollte so schnell wie möglich handeln. Erstens: Die eigene Bank sofort kontaktieren und einen Überweisungsrückruf (SEPA Credit Transfer Recall) beantragen. Ob das klappt, hängt davon ab, ob das Geld noch nicht beim Empfänger gutgeschrieben wurde. Die Chancen sinken mit jeder Stunde. Zweitens: Strafanzeige bei der Polizei erstatten. Die Polizei Bielefeld hat den Ablauf dieser Betrugsmasche dokumentiert und nimmt entsprechende Anzeigen entgegen. Drittens: Die zuständige regionale Rechtsanwaltskammer informieren, damit die Fake-Kanzlei in entsprechende Warndatenbanken aufgenommen werden kann. Die RAK München etwa pflegt eine laufend aktualisierte Liste bekannter Fake-Kanzleien.
Ein Scam, der nicht aufhört
Die Masche ist nicht neu, aber sie wird besser. Die Fake-Kanzleien werden professioneller, die gefälschten Amtsgerichtsbeschlüsse realistischer, die Domains kurzlebiger und schwerer verfolgbar. Da der Auftritt der Fake-Kanzleien immer professioneller wird, wird es auch schwieriger, sie von echten Rechtsanwaltskanzleien zu unterscheiden.
In meinem Fall ging es nicht weiter. Aber das lag wohl eher daran, dass mein Kaufwunsch schlicht zu klein war. Einen einzelnen Monitor wollten die Täter wohl nicht abwickeln, zu viel Aufwand für zu wenig Ertrag. Wer dagegen ein größeres Los Diesel oder einen Fuhrpark hätte kaufen wollen, wäre mit einer Schlussrechnung und einer Bankverbindung konfrontiert worden, die irgendwo nach Timbuktu führt.
Gut zu wissen, bevor man überweist.

