Der Spion, der aus der Tinte kam: Geheime Druckercodes verraten Urheber

Sie haben einen Farblaserdrucker? Dann drucken Sie doch mal ein Blatt, am besten mit blauem Hintergrund, und legen es unter die Lupe oder noch besser, ein Mikroskop. Bei genauerem Hinsehen tauchen dann in unregelmäßigen Abständen kleine gelbe Pünktchen auf. Ein Druckfehler? Mitnichten. Die Pünktchen sind mit voller Absicht verstreut. Und nicht zufällig. Sie ergeben eine Matrix. Und in dieser Matrix verstecken sich geheime Druckercodes. Darin mindestens Uhrzeit und Datum des Ausdrucks, sowie die Seriennummer des verwendeten Gerätes.

Es war schon länger bekannt, dass Farblaserdrucker auffällige gelbe Pünktchen auf ihren Ausdrucken hinterließen. Was die US-amerikanische Bürgerrechtsbewegung Electronic Frontier Foundation (EFF) vermutete, hat sich nun bestätigt. Anhand eines Ausdruckes von einem Xerox Drucker der DocuColor-Serie fand man eine sich regelmässig wiederholende 15×8 Bit Matrix, in der binär kodiert Datum, Uhrzeit, Seriennummer und Partiy-Bits zur Datenvalidierung hinterlegt waren. Wie die Computerzeitschrift „c’t“ in Ihrer Ausgabe vom 23 vom 31.10. berichtet, habe Xerox den Sachverhalt bestätigt.

Der Machine Identification Code (MIC) dient der Nachverfolgung zur Quelle

Aber nicht nur Xerox steht im Verdacht, heimlich Punkte mit auf Papier zu bringen. In einer von der EFF veröffentlichen Liste sind fast sämtliche Hersteller vereint: Brother, Canon, Dell, Hewlett Packard, Epson, Kyocera und viele andere mehr.

Wozu das Ganze? c’t zitiert den ehemaligen Xerox-Manager Helmut Mahr. Die geheimen Druckercodes seien „auf massives Drängen der Sicherheitsbehörden vor allem in den USA entwickelt worden“. Mit gelben Pünktchen Kampf gegen den internationalen Terror?

In erster Linie gehe es den Behörden darum, Identifizierungsmöglichkeiten bei der Strafverfolgung zu haben. Vor allem wenn es darum ginge, Geldfälschern das Handwerk zu legen, die mit den heutigen professionellen Druckern saubere Kopien herstellen könnten. Profis allerdings werden kaum mit einem registrierten Drucker Blüten drucken. Schon mit gar keinem, der im gleichen Land gekauft oder gar mit Kreditkarte oder auf Rechnung bezahlt wurde.

Wenn man genauer hinsieht, ergeben sich noch ganz andere Szenarien. Zunächst gilt festzuhalten: Kein Käufer weiß, welches Gerät welche Informationen mit auf Papier bringt. Wäre es nicht also auch möglich, dass die Privatsphäre und vor allem das Recht auf freie Meinungsäußerung in Gefahr gerät? Wer möchte schon, dass alles was man zu Papier bringt, später jederzeit eindeutig auf Herkunft identifiziert werden kann?

Wer also künftig nicht auf Farblaserdrucker verzichten möchte: Am Besten mit genügend Kleingeld irgendwo weit ab vom Heimatort in den nächsten Elektronikmarkt, und ganz anonym Cash auf den Tisch, die Kiste bezahlen. Perücke und Sonnenbrille nicht vergessen! :)

Surftipps:
Is Your Printer Spying On You?
Electronic Frontier Foundation

Liste der „Spionagedrucker“
Electronic Frontier Foundation

Government Uses Color Laser Printer Technology to Track Documents
PC WORLD

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2 Kommentare

  1. Das ist ja ein Ding! :-O
    Die Ami’s schrecken anscheinend vor nichts zurück, was?
    Die totale Überwachung wird hinter dem Rücken der Bürger einfach klammheimlich druchgesetzt. Ich frag mich immer wieder, wie weit das eigentlich schon geht und nach jeder neuen Meldung, die das betrifft, bin ich immer wieder erschüttert.

  2. Na das is ja mal krass. Ich find solche Meldungen immer interessant ;) Sollten se mal bei Galileo oder so ausstrahlen, damit es endilch jeder weiß ;)

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